Wie sieht der Arbeitsalltag einer Krankenpflegerin aus? (Teil 1)

29 Oct
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Pia Christ arbeitet seit 15 Jahren als examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, überwiegend war sie dabei auf der Intensivstation tätig. Hier berichtet sie ausführlich aus ihrem Alltag – mit allen Höhen und Tiefen, was das Besondere an ihrem Beruf ist, und was sich aus ihrer Sicht dringend ändern muss.

Ich möchte den Beruf der Krankenschwester so zeigen, wie er wirklich ist. Ich arbeite seit 2006 auf einer Intensivstation, dort betreue ich durchschnittlich zwei bis vier Patienten .

Natürlich kann man nicht alle Aufgaben der Krankenschwester in einen kurzen Text packen. Dennoch ist es mir ein großes Bedürfnis, zumindest etwas in die Tiefe dieses besonderen Berufs zu gehen.

Ein Krankenhaus ist 24 Stunden, 365 Tage im Jahr geöffnet. Damit das auch funktioniert, arbeiten dort viele wichtige Berufsgruppen in unterschiedlichsten Schichten – so auch die Pflege. Und ja, Weihnachten, Silvester und die Wochenenden gehören nun mal dazu. So kommt es vor, dass Mama an Weihnachten fehlt und Papa an Silvester.

Wir arbeiten nachts, wenn andere friedlich schlafen, kämpfen gegen die eigene Müdigkeit. Vielleicht sitzen wir in dieser Zeit auch mal herum, trinken Kaffee und unterhalten uns. Aber wenn das Notfalltelefon klingelt, sind wir hellwach, ausgelöst durch unser eigenes Adrenalin. Plötzlich zählt jede Minute, um einem Baby im Kreißsaal, vielleicht auch seiner Mutter oder einem geliebten Opa auf Station das Leben zu retten.

Notfälle lassen einen niemals kalt

Und glaubt mir, mit der Zeit wird man vielleicht routinierter, aber nicht gelassener. Deine Hände zittern beim Aufziehen der Notfallmedikamente, der Schweiß perlt dir vor Anstrengung von der Stirn, die Arme und Knie schmerzen von der Herz-Druck-Massage.

Eine Reanimation läuft nie sauber ab, das Blut klebt an deiner Backe und in deinen Haaren, deine Knie liegen im Kot und Urin des Patienten und wenn es ganz dramatisch wird, stehst du auch mal in einer riesigen Blutlache. Aber uns interessiert das in diesem Moment nicht, weil wir im Team einfach alles geben, um dieses Menschenleben zu retten.

Und was passiert, wenn die Reanimation nicht erfolgreich war? Dann wasche ich den toten Patienten, bereite alles vor, damit die Angehörigen würdig Abschied nehmen können. Am liebsten würde ich heimgehen. Aber du bleibst. Der Arzt überbringt die traurige Botschaft und ich bin nicht selten die Schulter, an der sich die Angehörigen anlehnen können.

Fremde Menschen, die ich zuvor noch nie gesehen habe, kommen mir sehr nahe. Man fühlt mit, man spürt den Schmerz, auch das gehört zu meinem Beruf. Und während die Angehörigen Abschied nehmen, gehe ich zu meinen anderen Patienten und versuche, dass aufzuarbeiten, was ich in den letzten zwei Stunden nicht geschafft habe. Dieses Szenario kommt zum Glück nicht täglich vor, dennoch gehört es zu dem Alltag der Krankenschwester und passiert immer unvorhersehbar.