Wie HebaVaria Schwangere mit Hebammen matcht?!

05 May
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In München erhalten schwangere Frauen, die nach einer Hebamme suchen, Unterstützung durch den Verein HebaVaria. Seit 2019 bringt die Initiative Schwangere, die wenige Wochen vor der Geburt noch keine Betreuung gefunden haben, mit einer ihrer Hebammen zusammen. Anlässlich des Internationalen Hebammentages am 5. Mai haben wir mit Melanie Marwitz von HebaVaria über das Engagement und die Arbeit des Vereines gesprochen.

Warum haben Sie Ihren gemeinnützigen Verein HebaVaria gegründet?

Melanie Marwitz: Fast jede zweite Münchnerin hat Schwierigkeiten, eine Hebamme zu finden. Unsere Initiative soll insbesondere Schwangeren helfen, die bis zur 34. Woche keine Hebamme gefunden haben. Um Hebammen auch kurzfristig zu vermitteln, haben wir die bereits bestehende Hebammen-Hotline um einen aufsuchenden Hausbesuchsdienst erweitert. Dafür steht mittlerweile ein Pool von 44 aktiven Hebammen bereit, und jeden Monat werden es mehr. Sie sollen im Notfall einspringen und die Frauen und ihre Neugeborenen in den ersten Wochen zu Hause besuchen. Finanziert wird das Projekt in Bayern im Rahmen des Förderprogramms Geburtshilfe sowie mit städtischen Mitteln. Erreichbar ist die Vermittlungszentrale unter der Telefonnummer 089/12191204 oder per E-Mail unter hebammenhotline(at)hebavaria(dot)de.

Wie kann man sich ihren Vereinsalltag vorstellen?

Melanie Marwitz: Wir bieten dienstags, mittwochs, freitags und samstags zwischen 9:00 und 18:00 Uhr Hausbesuche an. Jede Hebamme kann sich in unseren Dienstplan eintragen. Durchschnittlich macht eine Hebamme sechs Hausbesuche pro Tag. Der Plan für die Hausbesuche wird immer 24 Stunden vorher verschickt. Manche Hebammen rufen dann bei der (werdenden) Mutter an, um sich anzukündigen. Eine Kollegin ist letzten Sommer z.B. mit ihrem e-Roller durch München gebraust und hat an einem Tag acht Hausbesuche geschafft. Grundsätzlich wird beim Hausbesuch überprüft, ob es Mutter und Kind gut geht, aber auch beraten, z.B. Stillberatung. Da sich nicht nur eine Hebamme um die jeweilige Familie kümmert, dokumentieren die Hebammen alles in einer Akte, die wir die Eltern verwahren lassen. So können diese selbst entscheiden, ob sie alles auch einer anderen Hebamme zeigen möchten. Im Januar 2020 hat unser Verein in München 19 Frauen versorgt. Bei 20.000 Neugeborenen pro Jahr erscheint diese Zahl erst einmal gering, aber insbesondere in der Urlaubszeit sind es regelmäßig mehr: Im Sommer 2019 zum Beispiel haben wir rund 50 Frauen pro Monat zuhause betreut.

Wie funktioniert die Hebammen-Hotline?

Melanie Marwitz: In unserem Büro sitzt immer eine Hebamme und nimmt Anrufe von hilfesuchenden Familien entgegen. Früher halfen wir ihnen, kurzfristig eine Hebamme oder Hebammenpraxen zu finden und informierten über Sprechstunden und kostenlose Angebote für werdende Mütter. Nur medizinisch beraten können wir leider nicht am Telefon.

Mittlerweile wurde diese Hebammen-Hotline ergänzt. Wir "matchen" bei uns gelistete Hebammen mit Hilfesuchenden in München und wir können durch den Aufsuchenden Hausbesuchsdienst für die meisten Familien einen Hausbesuch gewährleisten. So können wir etwa die Hälfte der suchenden Frauen vermitteln. Seit diesem Jahr arbeiten wir auch an einer "Hebapp", die die Vermittlung zwischen Hebammen, Schwangeren und Müttern noch weiter vereinfachen soll.

Wer engagiert sich in Ihrer Initiative?

Melanie Marwitz: Vor allem Hebammen, die selbst Familie haben und deshalb nicht mehr rund um die Uhr praktizieren können. Die melden sich bei unserem Verein und tragen sich für ein, zwei Dienste, die ihnen zeitlich möglich sind, in den Dienstplan ein. Auch Hebammen, die Frühchen betreuen, haben adhoc mehr Vakanzen und werden von uns vermittelt. 2019 ist dieses Projekt gestartet und schon im ersten Jahr konnten wir 184 Hausbesuche in den Sommerferien bei Müttern mit Neugeborenen umsetzen. Mitglied werden kann bei uns jede Hebamme, die versichert ist und eine Lizenz hat. Bewerben kann man sich ganz unkompliziert per Email, Brief oder auch Telefon.

Kennst auch Du jemanden im Gesundheitswesen, dem Du Danke sagen möchtest? Schreib uns seine bzw. ihre Geschichte an: dankesagen(at)pkv(dot)de.