Wer ist eigentlich Otto?

06 Dec
Intro image

Ein Tag aus dem Leben - In unserem Haus ist morgens viel los. Zwei Kinder toben durch die Wohnung und versuchen den Tisch zu decken. Frühstück! Im Hintergrund verkündet eine Frauenstimme sonniges Wetter für heute. Karl spricht sie immer mit Alexa an.

Zu den wichtigen Dingen des Lebens: Durch die Wohnung strömt der Duft frisch gerösteter Kaffeebohnen. "Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.", sagt mein bester Freund und setzt sich voller Freude an den Tisch. Er hält kurz inne und fragt in die Runde: "Hat jeder etwas auf dem Teller?". "Krosssssongs”, trällert Heinz. "Saft, Tee und Kaffee.", ergänzt Anne. Mir schmecken weder Kaffee noch Croissants, aber ich habe auch schon gefrühstückt. Nach dem Frühstück räumt Karl den Tisch ab. Alles hat seinen Platz und darauf achtet er sehr. Ich lebe schon seit drei Jahren mit meiner neuen Familie und fühle mich hier pudelwohl.

Nach dem Frühstück stürmen Heinz und Anne hochmotiviert in die Schule. Ich bleibe bei Karl. Am Vormittag laufen wir meistens gemeinsam durch die Stadt. Mit mir fühlt er sich sicherer und findet sich leichter zurecht. Ich warne ihn z. B. vor Stufen oder Schlaglöchern. Auch inmitten von Menschengruppen helfe ich ihm. Heute manövriere ich uns zum Supermarkt. Auf dem Weg zum Einkaufen muss ich besonders aufpassen. Vor mir leuchtet eine Ampel rot. Karl sieht es nicht, darum gebe ich ihm ein Zeichen und wir warten gemeinsam an der Kreuzung. Sobald die Ampel wieder auf grün schaltet und alle Autos gehalten haben, gebe ich ihm ein Zeichen und wir überqueren gemeinsam die Straße. Auf der anderen Straßenseite angekommen, wartet auch schon unser Bus. Der M41 fährt uns jeden Montag zum Supermarkt und wieder nach Hause. Die Fahrerin Ursula kennt Karl und mich schon lange. Begrüßt werde ich mit "Nun aber flink, Otto!" Also steigen wir schnell in den Bus und ich suche Karl einen Sitzplatz. Der ist heute glücklicherweise schnell gefunden. Wir sitzen und ruhen uns etwas aus. Nach genau drei Haltestellen sind wir am Ziel. Das habe ich mir gemerkt. Beim Aussteigen passe ich wieder auf, dass Karl gut zur Bustür findet und falls der Bus mal nicht an der regulären Haltestelle, sondern wie heute etwas weiter hinten hält, helfe ich Karl sich zu orientieren. Im Supermarkt treffen wir Stefan. Er hilft uns beim Einkaufen, ist sehr stark und weiß immer, wo alles ist. Heute Abend soll es für Heinz und Anne Spaghetti mit roter Sauce geben. Karl hakt sich bei Stefan ein und zusammen ziehen sie los. Für mich heißt es nun warten, bis mich Karl wieder abholt und ich ihn nach Hause führe. Mein Name ist übrigens Otto, ich bin seit drei Jahren im Dienst und stolz darauf Blindenführhund zu sein.

Otto ist einer von ca. 3.000 Blindenführhunden

Nach Schätzungen der Selbsthilfevereinigung Pro Retina Deutschland e. V. sind in Deutschland aktuell bis zu 3.000 Blindenführ- und Assistenzhunde im Einsatz. Sie leisten blinden Menschen oder Menschen mit Sehbeeinträchtigung Gesellschaft, sind ihnen eine emotionale Stütze und Orientierungshilfe im Alltag. Vor allem Schäferhunde, Labradore und Golden Retriever zeichnen sich für Einsätze wie diese aus, denn sie sind sehr intelligent und vergleichsweise unaufgeregt. Otto ist übrigens ein Golden Retriever!

 

Kennen auch Sie jemanden, dem Sie Danke sagen möchten? Hier können Sie abstimmen.