Wenn die Hebamme nicht gewesen wäre

17 Nov
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In der Schwangerschaft mit meiner Tochter wollte ich mir einen großen Wunsch erfüllen, denn ich sehnte mich nach einer natürlichen Entbindung in den eigenen vier Wänden. Doch die geplante Hausgeburt wurde beendet, bevor sie überhaupt richtig anfing.

Das Leben ist nicht planbar

Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich am Abend des 21.01.2017 unglaublich schlapp und müde auf der Couch lag. Der Tag versprach nicht mehr viel und so beschloss ich ins Bett zu gehen und zu schlafen. Das Baby hatte andere Pläne, denn ich spürte, dass plötzlich meine Fruchtblase platzte. Grundsätzlich ist diese Tatsache kein Grund zu Sorge. Das Problem war jedoch, dass sich nicht eine einzige Wehe ankündigte. Ich wartete mehrere Stunden und wusste innerlich, dass wir mit dieser Ausgangslage nur noch einen begrenzten Zeitrahmen für eine Hausgeburt zur Verfügung hätten. Eine Hebamme ist dazu verpflichtet bei nicht einsetzender Wehentätigkeit (und damit sogenannten Geburtsstillstand) nach einer gewissen Zeit ins Krankenhaus zu verlegen. Leider war genau das der Fall und so fand ich mich in den Morgenstunden des 22.01.2017 genau dort wieder, wo ich eigentlich nicht sein wollte: im Krankenhaus.

Die Stimmung war auf dem Nullpunkt. Dieses Gefühl, wenn man 2 Kinder spontan, ohne Komplikationen zur Welt gebracht hat und es auf einmal nicht funktionieren möchte, werde ich nie vergessen. Ich fühlte mich der Situation ausgeliefert und doch musste es weitergehen. Ich stimmte wiederwillig chemischen Einleitungsmitteln zu, die für einige Stunden ebenfalls ihre Wirkung gänzlich verfehlten. Nun hatte ich zwar starke Wehen, aber sie waren unwirksam.

Die Hebamme, die mir zuhörte

Die Zeit verstrich und der nächste Schichtwechsel stand an. Ich fühlte mich wie eine Nummer, wenngleich keiner der Angestellten etwas dafür konnte. Inzwischen waren mehr als 24 h vergangen und obwohl das betreuende Krankenhausteam jetzt einen Kaiserschnitt hätte rechtfertigen können, stand dieser in meinem Sinne nicht zur Debatte. Da trat Hebamme Nicole ihren Dienst an und begrüßte mich verwundert. Wahrscheinlich sah sie, dass ich innerlich gerade dabei war aufzugeben. Ich war am Ende meiner Kräfte und meiner Nerven und dann tat sie etwas, dass mich zurückholte und mich anspornte weiter für eine natürliche Entbindung zu kämpfen.

Sie schrieb in meinem Beisein auf das Kinderuntersuchungsheft den 23.01.2017 als Geburtstermin und versicherte mir: „Das wird der Geburtstermin Ihrer Tochter sein. Wir werden das Kind jetzt bekommen.“ Sie hörte mir zu, fragte nach meinen Wünschen und entschied mit mir gemeinsam, wie das weitere Vorgehen aussehen könnte.  Ich fühlte mich wahrgenommen und verstanden. Sie gab mir das Gefühl, dass ich aktiv mitentscheiden konnte. Ein Wehentropf mit geringer Dosis sollte dafür sorgen, dass die Geburt voranschritt und tatsächlich: innerhalb von 1,5 h kam meine wunderschöne Tochter sturzartig zur Welt. Ich bin mir sicher, dass ich ohne diese Hebamme um den Kaiserschnitt nicht herumgekommen wäre. Sie ist für mich der Lichtblick gewesen und ich habe den größten Respekt vor ihrer Leistung an diesem Tag. Wenn ich heute darüber nachdenke, bin ich fast ein wenig wehmütig, dass der Wunsch Hausgeburt zerplatzt ist und doch zugleich aus tiefstem Herzen dankbar darüber, dass mein Baby sich gesund und munter ins Leben strampelte und ich so natürlich wie möglich entbinden konnte.