„Was wäre gewesen, wenn…“

20 Aug
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„So etwas passiert nur älteren oder gestressten Menschen”, hatte sich Jutta Meyer gedacht. Ein Irrtum: Der Schlaganfall überraschte die Mitte-50-Jährige bei der Arbeit im Büro. Die rechte Hand und der Arm wurden taub, plötzlich hatte sie Sprachstörungen.

Zwar ging der Fall noch glimpflich aus, doch ein Gedanke nagte hinterher weiter an ihr: „Was wäre gewesen, wenn…“. Diese Überlegung veranlasste sie dazu, vorsorglich eine Patientenverfügung zu verfassen.

Frau Meyer hatte Glück, dass ihre Kollegin die Schlaganfall-Symptome erkannte und sofort den Rettungswagen rief. Der Verdacht bestätigte sich im Krankenhaus. Dank der schnellen Behandlung erholte sich Frau Meyer wieder, die Symptome verschwanden und auch von dem Schrecken konnte sie sich erholen. Nicht alle Schlaganfallpatienten kommen mit einem Schrecken oder kleineren Einschränkungen davon. Viele bleiben gelähmt oder fallen ins Koma.

Sie entschloss sich daher, eine Patientenverfügung zu verfassen. Sollte es irgendwann so weit kommen, dass sie nicht mehr selbst die Entscheidungen über medizinische Behandlungen treffen kann, wollte sie ihren Willen im Voraus festhalten. Unterstützung bekam Frau Meyer von ihrem Hausarzt. Es war ihr wichtig, dieses Thema mit einer fachkundigen Person zu besprechen. Der Arzt empfahl ihr, möglichst konkrete Handlungsanweisungen zu machen. Ein Satz wie "Keine lebenserhaltenden Maßnahmen” reiche nicht aus. Vielmehr sollte sie sich präzise zu Themen wie künstlicher Ernährung oder Beatmung, Schmerzbehandlung, Wiederbelebung oder Organspende äußern.

Die Entscheidung über bestimmt Behandlungen selbst treffen


Zusätzlich riet der Arzt, eine Betreuungsverfügung und eine Vorsorgevollmacht aufzusetzen, in denen eine Vertrauensperson bevollmächtigt wird, wichtige Entscheidungen in ihrem Sinne zu treffen und ihre festgehaltenen Wünsche durchzusetzen.

Jeder vierte Deutsche hat bereits eine Patientenverfügung abgeschlossen. Auch wenn sich niemand gerne mit dem Gedanken an die eigene Entscheidungsunfähigkeit beschäftigt, ist es wichtig, sich möglichst frühzeitig mit dem Thema umfassend auseinanderzusetzen. Eine möglichst aktuelle Patientenverfügung ermöglicht es den Ärzten, auch dann im Sinne der Patienten zu handeln, wenn sie sich selbst nicht mehr äußern können.

Jutta Meyer beruhigt es, die Entscheidung über bestimmte Behandlungen nun selbst gefällt und festgehalten zu haben und ihre Kinder oder ihren Mann im Falle des Falles nicht mit schwierigen Entscheidungen belasten zu müssen. Ihre fertige Patientenverfügung hinterlegte sie schließlich bei ihrem Hausarzt, ein weiteres Exemplar verwahrt ihr Mann, den sie als Bevollmächtigten ausgewählt hatte, und ein drittes hat sie in ihrer Handtasche immer dabei.

Bildnachweis: Ridofranz