Was es bedeutet, eine pflegende Angehörige zu sein

28 Aug
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Katja pflegt ihre Schwiegermutter und ermöglicht ihr damit ein Leben in den eigenen vier Wänden. Hier berichtet sie, wie sie das organisiert – und wie sich ihr eigener Alltag verändert hat.

Meine Schwiegermutter wird bald 89 Jahre alt. Vor fünf Jahren kam sie ins Krankenhaus; dort zeichnete sich eine Pflegebedürftigkeit ab. Eine Kurzzeitpflege konnte sich meine Schwiegermutter nicht vorstellen, sie wollte zurück nach Hause. In der Familie war es jedoch kaum möglich, sie zu versorgen: Mein Mann war selbst krank, sein Bruder lebt weit weg. Eigentlich war nur ich übrig – ich bin aber selbst berufstätig.

Ich habe dann sehr direkt mit meiner Schwiegermutter über unsere Möglichkeiten gesprochen. Uns beiden war klar, dass wir die Pflege gut organisieren müssen, bevor sie nach Hause kommt. Einen Hausnotruf hatte sie bereits vor ihrem Krankenhausaufenthalt. Wir haben zusätzlich Essen auf Rädern organisiert. Da sie mit ihren Medikamenten oft durcheinanderkam, zogen wir einen Pflegedienst hinzu. Wenig später übernahm der Dienst zusätzlich zu der Behandlungspflege auch die Körperpflege.

Nichts ist in Stein gemeißelt – so fällt die Hilfe leichter

Wir haben immer gesagt, dass nichts in Stein gemeißelt ist und wir alles wieder ändern können. Wenn meine Schwiegermutter die Unterstützung eines Tages nicht mehr brauchen sollte, wird sie eben wieder abbestellt. So fiel es ihr leichter, die Hilfe anzunehmen.

Wichtig war die schnelle Einstufung in einen Pflegegrad. Nur so konnten wir viele Leistungen in Anspruch nehmen. Mir kam es gelegen, dass ich in Gleitzeit arbeite: Morgens vor der Arbeit half ich meiner Schwiegermutter aus dem Bett und machte ihr Frühstück. Der Pflegedienst übernahm anschließend die Behandlungs- und Körperpflege. Nach der Arbeit war ich dann wieder für meine Schwiegermutter da – zusätzlich zu meinem Beruf, Haus, Hund und meinem Mann in der Reha hatte ich damit gut zu tun.

In dieser Zeit ging es in erster Linie darum, dass sich meine Schwiegermutter nach dem Krankenhausaufenthalt gesundheitlich erholt und wieder zu Kräften kommt. Als das geschafft war, haben wir eine Art „Animationsprogramm“ aufgestellt: Ich habe mit ihr geübt, morgens allein aufzustehen und sich das Frühstück zuzubereiten. Das Training war erfolgreich – bis heute ist meine Schwiegermutter in der Lage, morgens selbstständig aufzustehen und sich das Frühstück zuzubereiten. Ich muss morgens vor der Arbeit gar nicht mehr helfen.

Als es meiner Schwiegermutter besser ging, haben wir uns dafür eingesetzt, dass sie ihre sozialen Kontakte aufrecht erhalten kann. Außer einer Haushaltshilfe, die sauber macht, kommt eine zusätzliche Kraft, die auch Zeit für Gespräche hat. Zum Glück haben wir im Ort einen Dorfladen, den sie mit ihrem Rollator erreicht und den sie sehr gern besucht.

Inzwischen nimmt die Alltagskompetenz meiner Schwiegermutter jedoch ab. Das macht sich zum Beispiel daran bemerkbar, dass sie große Mengen Käse einkauft. Ich übernehme daher die Bank- und Verwaltungsgeschäfte sowie die Gespräche mit den Pflegediensten. Eine Vorsorgevollmacht hatte ich bereits im Vorfeld.

Einmal die Woche wird meine Schwiegermutter für eine Nachmittagsbetreuung abgeholt. An zwei anderen Tagen kommt die Haushaltshilfe und einmal mein Schwager, der mit ihr zu Abend isst.

Wir teilen uns die Pflege

Seitdem mein Mann wieder gesund ist, teilen wir uns die Pflege. Ich kümmere mich inzwischen sehr viel um den anfallende Papierkram, er fährt eigentlich täglich zu ihr. Gemeinsam sind wir die Hauptansprechpartner, werden in Notfällen angerufen, kümmern uns um die Einkäufe und alles, was sonst noch anfällt. Dank der Unterstützung funktioniert unser Alltag sehr gut – ich habe sogar noch Zeit für mein Hobby, das Handarbeiten.

Im Unterschied zu früher müssen wir unser Leben aber viel besser planen. Vor dem Urlaub müssen wir etwa eine Verhinderungspflege organisieren und mit den Kostenträgern Kontakt aufnehmen, um genügend Pflegehilfsmittel auf Vorrat zu haben. Aber die Planung lohnt sich: Urlaub und Zeit für sich selbst sind wichtig, um die eigenen Kraftreserven zu erhalten. Außerdem hilft es, eine gewisse Offenheit zu behalten. Man muss sich immer wieder neu an die Entwicklung der Pflegebedürftigkeit anpassen und informieren. Wir besprechen alle Schritte offen mit meiner Schwiegermutter. Und unsere Pflegeberatung hilft uns dabei, die Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch zu nehmen, die für unsere Situation sinnvoll sind.

Stehen auch Sie vor der Aufgabe stehen, eine Pflegesituation zu organisieren? Dann nutzen Sie das Angebot der kostenfrei und unabhängig beratenden compass Pflegeberatung. Die Pflegeberaterinnen und Pflegeberater sind bundesweit tätig und regional vernetzt. Die telefonische Beratung ist montags bis freitags von 8-19 Uhr und samstags von 10-16 Uhr erreichbar. www.compass-pflegeberatung.de

Kennst auch Du jemanden im Gesundheitswesen, dem Du Danke sagen möchtest? Schreib uns seine bzw. ihre Geschichte an: dankesagen(at)pkv(dot)de.

 

Bildnachweis: compass private pflegeberatung