Warum bei Demenz besonders viel Zuwendung nötig ist

16 Jul
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Der Umgang mit Demenzerkrankten erfordert vom Personal im Krankenhaus Fingerspitzengefühl. Auch für Vanessa ist Demenz ein ständiger Begleiter bei ihrer Arbeit als Krankenschwester auf der unfallchirurgischen Station. An eine Situation erinnert sie sich besonders häufig zurück.

Demenz ist eine Herausforderung für alle Betroffenen

Frau Müller kam mit einer Kopfwunde, die sie sich bei einem Sturz zugezogen hatte, aus der Notaufnahme zu Vanessa. Die Verletzung war zum Glück nur eine harmlose Abschürfung. Aufgrund ihrer blutverdünnenden Medikamente sollte Frau Müller aber noch für eine Nacht auf der Station überwacht werden. Die ältere Dame war bei der Aufnahme gut gelaunt und hatte nichts dagegen einzuwenden. Doch etwa eine Stunde später traf Vanessa sie auf dem Stationsflur an, wo sie mit einem Handtuch fleißig Wände und Möbel abwischte. Auf die Frage, was passiert sei, antwortete Frau Müller: „Alles bestens, aber ich muss hier jetzt weiter sauber machen”. Von dieser Auffassung ließ sie sich auch nicht ohne weiteres abbringen. Nur mit viel liebevoller Überredungskunst konnte Vanessa die Patientin dazu bewegen, sich wieder in ihr Bett zu legen.

Aber schon nach zwanzig Minuten hatte die Patientin erneut angefangen zu putzen und Vanessas Einfühlungsvermögen war wieder gefragt. Und so ging es weiter. Die ganze Nacht war die Krankenschwester damit beschäftigt, auf Frau Müller einzuwirken, damit sie sich wieder hinlegte und sich erholen konnte. Für beide war es eine lange und anstrengende Nachtschicht.

So wie Vanessa geht es vielen Schwestern und Pflegern in Deutschland. Bereits heute werden mehr als 1,5 Millionen Menschen als demenzkrank geschätzt. Diese Zahlen sollen in den nächsten 40 Jahren auf über 3 Millionen steigen: eine riesige Herausforderung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

Den Patienten vermitteln, dass sie gut aufgehoben sind

Als Frau Müller am nächsten Tag wieder nach Hause durfte, brachte ihre Tochter als Dankeschön für die liebevolle Betreuung eine Karte und Pralinen für das gesamte Stationsteam mit. Ihre Mutter auch im Krankenhaus in guten Händen zu wissen, dafür wollte sie den Krankenschwestern und Ärzten Danke sagen. Die Karte hängt noch immer an der Pinnwand im Schwesternzimmer und erinnert Vanessa an die anstrengende Nacht aber auch an die Wertschätzung für ihre Arbeit.

Wir sagen Danke für diesen außerordentlichen Einsatz. Machen auch Sie mit: www.dankesagen.de.

Bildnachweis:Obencem