Vom Jurastudium in die Pflege

07 Oct
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Als ich vor drei Jahren mein Studium der Rechtswissenschaften an einer Berliner Universität begann, hätte ich mir niemals träumen lassen, irgendwann einmal an dem Punkt zu stehen, an dem ich heute bin. Nämlich im zweiten Ausbildungsjahr an einer Schule für Gesundheits- und Krankenpflege – mit dem großen Ziel vor Augen: examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Es war durchaus keine leichte Entscheidung, das Studium abzubrechen. Doch mein Traum, Strafverteidigerin zu werden, war leider während des Studiums geplatzt: Trockene Theorie, das Pauken von Gesetzen, die einem manchmal wahnsinnig weit von der Realität entfernt scheinen, schon im ersten Semester Konkurrenzdruck zwischen den Studierenden – das war nicht meine Welt.

Ein Pflegepraktikum brachte die Wende.

Der medizinische Bereich hatte mich schon in meiner Schulzeit interessiert, und nach ein paar Tagen im Krankenhaus war ich mir sicher: Ich habe meinen Platz gefunden. Die Nähe zu den Menschen, das Arbeiten im Team, in einem für mich wahnsinnig spannenden Umfeld, das durch ständigen Fortschritt geprägt ist – das alles gefiel mir sehr gut, und ich empfand echte Freude bei der Arbeit, was ich im Studium nie so erlebt hatte. Nicht mal das frühe Aufstehen, um pünktlich um 6 Uhr morgens zum Frühdienst zu erscheinen, konnte mich als Langschläfer von dieser Ausbildung abhalten. Und auch wenn ich als Anwältin vermutlich ein Vielfaches hätte verdienen können: Ich bereue meine Entscheidung keine Sekunde. Denn ich weiß, ich habe mich für einen wunderbaren Beruf entschieden.

Dass der Beruf der Gesundheits- und Krankenpflegerin extrem vielseitig ist, ist für viele nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Einerseits muss ich ein sehr großes medizinisches Fachwissen mitbringen, einen guten Blick für Symptome und Erkrankungen und einen sicheren Umgang mit Medikamenten, technischen Geräten und Diagnosen. Mindestens genauso wichtig ist aber auch die psychologische Komponente: Menschen in schwierigen Situationen beizustehen, sie in schweren Phasen des Lebens zu begleiten und ihnen als zuverlässige Gesprächspartner und Berater zur Seite zu stehen.

Die professionelle Pflege ist ein Zusammenspiel aus Fachwissen, sozialer Kompetenz sowie Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen; sie ist außerdem auch eine stetige Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten. Zu sehen, wie man Menschen mit Kleinigkeiten glücklich machen kann, was ein offenes Ohr für einen einsamen Patienten bedeutet, was eine schmerzlindernde Maßnahme für einen leidenden Kranken wert sein kann, und welche Dankbarkeit mir oft am Ende des Tages entgegengebracht wird – das gibt mir in meinem Beruf den Sinn.

Krankenpflege bedeutet mehr als ein paar Hilfstätigkeiten.

Es heißt nämlich nicht: dem Patienten morgen einfach nur die Tabletten hinstellen, zwischendurch mal den Verband wechseln und ansonsten bei der Körperpflege helfen. Es bedeutet weitaus mehr: Man ist Seelsorgerin, Übersetzerin, wenn die Patienten den Fachjargon des Arztes nicht verstehen, Zuhörerin für Angehörige, Beraterin, offenes Ohr, ein wandelndes Lexikon für alle Fragen. Nach meiner Ausbildung eine Krankenpflegerin zu sein, die für Menschen in den schwierigsten Lebenslagen eine professionelle Hilfe ist, das ist mein großes Ziel.

Das alles gibt mir die Motivation, in der Schule fleißig zu sein, das Wissen aufzusaugen, die examinierten Gesundheits- und KrankenpflegerInnen aufmerksam zu beobachten und stetig dazu zu lernen. 

Es stimmt mich immer wieder traurig, zu sehen, dass der Pflegeberuf so gering wertgeschätzt wird – aber eigentlich ist das doch eine Motivation dafür, das zu ändern! Und ich möchte damit anfangen, indem ich euch erzähle, was alles in diesem Beruf steckt…