Vertrauen ist das A und O

18 Mar
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Als ich letztens beim Zahnarzt zur Kontrolle war, saß im Wartezimmer ein kleiner Junge verängstigt auf dem Schoß seiner Mutter. Woher kommt nur diese Angst vor dem Zahnarzt, die viele Menschen haben, und muss das als Kind schon sein, habe ich mich gefragt?

Klar, der Besuch beim Zahnarzt ist nicht mit dem Routinebesuch beim Kinderarzt zu vergleich, wo gemessen, gewogen und in Mund und Ohren geschaut wird. Beim Zahnarzt muss das Kind bei der Behandlung mitmachen und den Mund für einen längeren Zeitraum öffnen, sonst hat der Zahnarzt ohne den Einsatz von einem Narkosemittel, keine Chance. Dann erzählte mir eine Freundin auch noch, dass ihr 4-Jähriger Sohn Zahnschmerzen hatte und sie den Zahnarztbesuch nur mit viel gutem Zureden über die Bühne gebracht hatte, es war zum Glück auch nichts Schlimmes. Also habe ich mich einmal auf die Suche gemacht, ob es spezielle Kinderzahnärzte gibt und mit welchen Methoden diese arbeiten. Dabei bin ich auf Zahnärztin Barbara Beckers-Lingener aus dem Rhein-Sieg Kreis gestoßen, die ein eigenes Konzept für die Behandlung von Kindern entwickelt hat und habe bei ihr einmal nachgefragt, wie ihr Konzept aussieht.

Praktisch ist es, wenn das Kind den Zahnarzt und die Abläufe schon von Vorsorgeuntersuchungen kennt und ihm die Umgebung vertraut ist, erzählt sie mir, dann hat das Kind, wenn dann doch einmal behandelt werden muss, schon Vertrauen in den Zahnarzt. „Kinder sind grundsätzlich anders zu behandeln als Erwachsene, denn sie haben keine Einsicht in die Notwendigkeit einer Behandlung“, erzählt Beckers-Lingener. Kinder machten bei Schmerz oder Überforderung oft dicht, dann helfe alles Reden nicht mehr. Ohne die Unterstützung der Eltern und geeignete Techniken habe man dann keine Möglichkeit weiter zu behandeln, so ihre Erfahrung. 

Die Rolle der Eltern bei der Zahnarztbehandlung

Vater und Mutter sind ein wichtiger Faktor: Sie müssen dem Zahnarzt die Möglichkeit geben, sich ausschließlich auf das Kind zu konzentrieren und dürfen nicht zögerlich, ängstlich oder unentschlossen wirken. Kinder sollten spüren, dass ihre Eltern die Behandlung mittragen und dem Zahnarzt vertrauen, so Beckers-Lingener. „Vertrauen ist entscheidend bei der Behandlung von Kindern. Dazu gehört, Vorgänge gut zu erklären und sich auch zuverlässig daran zu halten. Es ist wichtig, aufmerksam zu sein und die kleinen Patienten dort abzuholen, wo sie stehen. Dafür benötigen der Arzt und das Praxisteam Empathie, Konzentration und starke Nerven“, weiß Beckers-Lingener aus vielen Jahren Erfahrung. 

Das Kind sollte zudem als Hauptperson beim Betreten der Praxis möglichst immer als Erstes begrüßt werden – mit Augenkontakt und am besten mit Nennen des Namens. „Dann fragt mein Praxisteam das Kind nach seiner Versichertenkarte, wodurch es animiert wird, sowohl zu antworten als auch selbstständig zu handeln und seinen eigenen Behandlungswunsch zu signalisieren“, erklärt Beckers-Lingener. Wichtig seien hier oft Details, etwa dass das Kind mithilfe einer kleinen Treppe den Praxismitarbeiter am Empfang auf Augenhöhe begegnen kann. Doch wie schafft es ein Zahnarzt, dass so ein kleiner Patient für mehrere Minuten den Mund öffnet und still sitzen bleibt? 

Die Zeit, in der ein Kind Konzentration und Geduld hat eine Behandlung zuzulassen, beträgt einer Faustregel nach das Alter des Kindes mal drei. Das sind bei einem Vierjährigen zwölf Minuten ab Betreten des Behandlungszimmers, so die Zahnärztin. Um diese Zeit effektiv nutzen oder auch verlängern zu können, helfen bei den Kindern Konfusionstechniken, die sie in Form von Geschichten oder Metaphern extrem schnell ablenken. Eine weitere Möglichkeit der Ablenkung ist ein Trancezeichen einzurichten, etwa den externen Beobachter, der auf die Behandlung schaut. Dafür kann man eine Fingerpuppe oder auch den Daumen verwenden, die das Kind dann während der Behandlung hochhält und sich auf diese Aufgabe konzentriert.

Für die Arbeit mit Kindern hat die Zahnärztin ein eigenes Konzept entwickelt: „Ritualisierte Verhaltensführung in der Kinderbehandlung nach Beckers-Lingener“. Es entstand vor über 20 Jahren basierend auf ihren Beobachtungen und Erfahrungen in ihrer Praxis und wurde von ihr seitdem gezielt zu einem zuverlässigen Leitfaden weiterentwickelt. 

Rituale und gleiche Abläufe helfen Kindern

Jeder kleine Patient durchläuft in ihrer Praxis immer feste Stationen: vom Betreten der Rezeption über das Wartezimmer bis hin zum Behandlungszimmer und zum Verlassen der Praxis. An jeder dieser Stationen ist es wichtig, in festgelegten Ritualen den persönlichen Kontakt zum Kind herzustellen und zu vertiefen. Je strukturierter und wieder erkennbarer die Abläufe sind, desto sicherer fühlt sich der kleine Patient, denn Kinder lieben Rituale, wie jeden Abend die gleiche Geschichte erzählt zu bekommen. „So erfahre ich von meinem Team vorab, ob das Kind offen, verschlossen oder ängstlich ist. Meine Mitarbeiter bereiten im Vorfeld schon den Weg und im besten Fall kommt ein kooperatives Eltern-Kind-Team zu mir zur Behandlung. So lassen sich Narkosen oder der Einsatz von Lachgas vermeiden beziehungsweise reduzieren, allerdings für eine gute Kinderzahnheilkunde nie komplett ersetzen“, so die Zahnärztin. 

Es ist beruhigend zu wissen, dass es Zahnärzte gibt, die sich auf die Behandlung von Kindern spezialisiert haben und wissen wo sie die kleinen Patienten abholen müssen. Das werde ich auch mal meiner Freundin berichten.

www.dankesagen.de

(Bild: iStock-155378616)