Tanzmetall rockt die Pflege

13 Mar
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Ich will eure Fantasie, (Ich will) ich will eure Energie, (Ich will) ich will eure Hände sehen - Laut dröhnt das Lied durch ein Pflegeheim in Sachsen-Anhalt. Seit vergangenem Jahr tanzen einige der Bewohner*innen jeden Montag zur Musik von Rammstein. Die Songs der deutschen Skandalrocker eignen sich scheinbar auch hervorragend zur Bewegungstherapie.

Die Idee dazu kam zwei kreativen Mitarbeiterinnen: Silvia arbeitet seit über einem Jahr als Betreuungskraft und Lisa als Ergotherapeutin im Pflegeheim.

Fühlen sich die Bewohner einsam? Waren sie heute schon spazieren? Als routinierte Betreuerinnen müssen Silvia und Lisa auf vieles achten. Wenn sie morgens zur Arbeit kommen, schauen sie zunächst in den Wochenplan, um zu sehen, welche Therapien anstehen.

Insbesondere am Montag bleibt niemand auf der Couch sitzen. Denn seitdem sie ihre Tanzgruppe ins Leben gerufen haben, "fiebern unsere Tanzmäuse immer auf den Montag hin. Sie können es meist gar nicht abwarten, endlich wieder zu tanzen. Wir waren am Anfang selber überrascht, wie viel Freude und Spaß die Bewohner an unserem Tanzangebot haben", freut sich Lisa.

Ein Tanzangebot also, schön und gut. Aber wie kamen die beiden auf die Idee, im Stuhlkreis des Pflegeheimes zu Rammstein zu rocken?

"Musik bewegt jedes Alter"

Den Anfang machte die eigene Erfahrung: Im Juli 2019 haben beide ein Konzert besucht. Besonders gut gefiel ihnen dort, dass es nicht nur auf der Bühne tüchtig krachte, sondern auch im Publikum: Jung und Alt, im Rollstuhl oder auf zwei Beinen – alle ließen die Nacht zum Tag werden.

Danach war für beide klar: "Musik bewegt jedes Alter." Sie nahmen sich vor, das "Tanzmetall" auch ihren Pflegebedürftigen vorzuspielen und gemeinsam im Stuhlkreis dazu zu tanzen.

"Auch Menschen in höherem und hohem Lebensalter sind begeisterungsfähig, lernfähig und haben viel Spaß daran, neue Sachen zu entdecken", begründet Lisa diesen gewagten Schritt.

Der Hartrock selbst ist für sie nur Mittel zum Zweck. Ziel war und ist es, die Mobilität und damit Lebensqualität der Bewohner zu fördern. Schon ein kleines Mehr an regelmäßiger körperlicher Betätigung kann helfen, Kräfte zu mobilisieren – oder einen Heilungsprozess zu beschleunigen.

"Gesagt, getan – in der darauffolgenden Woche haben wir eine Auswahl getroffen, unseren Bewohnerinnen und Bewohnern Rammstein-Lieder vorgespielt und eine Choreographie mit ihnen erarbeitet. In nur vier Stunden hatten alle die Tanzbewegungen einstudiert. Seitdem tanzen sie jeden Montag von 10:00 bis 11:00 Uhr mit uns", berichtet Silvia.

Auch der PKV-Verband unterstützt "Älter werden in Balance" ein Präventionsprogramm der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Das Alltags-Trainings-Programm (ATP) will Menschen ab 60 Jahren zu mehr Bewegung anregen, die Bewegungsgesundheit fördern und damit auch dem Entstehen oder Schlimmer-Werden von Krankheiten und Pflegebedürftigkeit entgegenwirken. Das Lübecker Modell Bewegungswelten (LMB) ist ein spezifisches Präventionsangebot zur Bewegungsförderung in Pflegeheimen. Mit diesem Trainingsprogramm gewinnen Pflegebedürftige Kraft und Mobilität zurück, auch die soziale Teilhabe wird gefördert.


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