Tag der Organspende: "Geschenkte Lebensjahre"

05 Jun
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Der Tag der Organspende am 6. Juni solle danken, aufklären und die Menschen motivieren sich mit dem Thema zu beschäftigen, erklärte die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Kernaufgabe der Stiftung ist es, die bundesweit rund 1.250 Entnahmekrankenhäuser bei der Durchführung von Organspenden zu unterstützen. Anlässlich des Aktionstages haben wir die Pressesprecherin Nadine Körner von der DSO interviewt.

Wie sieht der Arbeitsalltag Ihrer Stiftung aus?

Nadine Körner: Zu den grundlegenden Tätigkeiten der DSO zählt die kontinuierliche Unterstützung der Transplantationsbeauftragen in den Kliniken, ganz unabhängig von tatsächlich durchgeführten Organspenden. Wir bieten verschiedene Serviceleistungen an. Dazu zählen beispielsweise Beratungen zur Analyse und Optimierung der Abläufe im möglichen Organspendeprozess, Vorträge und Informationsveranstaltungen sowie Fort- und Weiterbildungen.

Hat sich seit dem Ausbruch von Covid-19 etwas bzgl. der Organspende verändert?

Nadine Körner: Alle bisherigen Vorgaben zum Empfängerschutz gelten weiterhin. Nun kam als neue Voraussetzung für eine Organspende hinzu, dass ein negativer SARS-CoV-2-Befund vorliegen muss. Das heißt, bei allen potentiellen Spendern wird eine entsprechende Testung durchgeführt. Zudem wird eine sehr sorgfältige Krankengeschichte erhoben. Die Koordinatoren fragen die Angehörigen nach Aufenthalten des Spenders in COVID-19-Risikogebieten und Kontakten zu Menschen, die mit COVID-19 infiziert waren oder bei denen eine Infektion vermutet wurde.

Wie wird sich das Coronavirus auf die Arbeit der Stiftung auswirken?

Nadine Körner: Die Auswirkung der Pandemie auf die Zahl der Organspenden war anfangs schwer einzuschätzen. Glücklicherweise verzeichnen wir derzeit immer noch eine positive Entwicklung. Von Januar bis April 2020 gab es bundesweit 330 Spender. Im Vorjahreszeitraum waren es 296. Das bedeutet einen Zuwachs in den ersten vier Monaten von 11,5 Prozent. In Deutschland gibt es derzeit in den Kliniken noch genug Intensivkapazitäten. Von daher trifft die Sorge, dass die Organspende an der Intensivkapazität scheitert, hierzulande derzeit nicht zu. Die Entnahmekrankenhäuser denken trotz Corona an die Organspende. Organspender werden weiterhin gemeldet und Organtransplantationen finden weiterhin statt. Dies sind gute Nachrichten für die 9.000 schwer kranken Menschen auf den Wartelisten.

Einschränkungen gibt es aktuell nur bei der Lebendspende, bei der zum Beispiel ein Angehöriger bereit ist, eine seiner Nieren oder einen Teil seiner Leber zu spenden. Diese Lebendspenden sind in vielen deutschen Transplantationszentren zeitweise eingestellt worden.

Gibt es in dieser besonderen Situation Hinweise für Spender?

Nadine Körner: Die Organspende ist nach wie vor eine Möglichkeit, nach dem eigenen Tod anderen Menschen das Leben zu retten. Daran hat sich auch mit der Corona-Pandemie nichts geändert. Wichtig ist und bleibt die persönliche Entscheidung zu Lebzeiten. Dafür gibt es gute Gründe und deshalb sollte sich möglichst jeder mit dieser Frage auseinandersetzen. Ausführliche Informationen und die Möglichkeit, offene Fragen zu klären, gibt es auf den Webseiten der DSO und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sowie beim gebührenfreien Infotelefon Organspende.

Welche Ziele haben Sie sich für dieses Jahr gesetzt?

Nadine Körner: Wir arbeiten derzeit an neuen und mehr digital orientierten Konzepten für die wichtige Fort- und Weiterbildung der Transplantationsbeauftragten. Die zentrale Live-Veranstaltung zum Tag der Organspende am 6. Juni musste in diesem Jahr erstmals abgesagt werden. Sie findet jetzt virtuell statt und dies mit großem Engagement aller Beteiligten. Auf der neuen Website www.organspendetag.de werden wir die Aktion "Geschenkte Lebensjahre" digital übertragen. Menschen, die mit einem Spenderorgan leben, werden bundesweit aufgerufen, ein Foto mit einem Schild zu den geschenkten Lebensjahren hochzuladen. Am Ende werden wir die Anzahl der geschenkten Jahre auf einer Collage mit den Fotos veröffentlichen. Darüber hinaus gibt es weitere, interaktive Aktionen für alle Interessierten. Das übergeordnete Ziel des Tags der Organspende ist nach wie vor: Möglichst viele Menschen zu motivieren, sich mit der Frage der Organspende zu befassen und eine eigene Entscheidung zu treffen.

Kennst auch Du jemanden im Gesundheitswesen, dem Du Danke sagen möchtest? Schreib uns seine bzw. ihre Geschichte an: dankesagen(at)pkv(dot)de.