Silvester im Unfallkrankenhaus

23 Dec
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Eine Silvester-Tradition, die nicht sein müsste: Jedes Jahr landen viele Jugendliche in der Rettungsstelle des Berliner Unfallkrankenhauses. Die explosiven Festlichkeiten zur Jahreswende hinterlassen ihre Spuren und spülen allzu wagemutige Böllerfans in die Hände von Dr. Arnulf Vogel und seinem Team. Dr. Vogel ist Handchirurg und behandelt in der Silvesternacht sowie am Neujahrstag leichte und schwere Verletzungen.

Nach Mitternacht füllt sich die Rettungsstelle


„Wenn die Leute aufgehört haben zu feiern, geht bei uns eigentlich die Arbeit los. Das heißt ab ca. 1 Uhr morgens kommen die ersten Patient*innen bei uns an. Wir stehen dann bereit.”, erzählt uns Dr. Vogel über seine Erfahrungen aus den vergangenen Jahren. Die Patienten haben zum Teil sehr schweren Verletzungen, Verstümmelungen an den Händen sind nicht selten. Die Belastungen für das gesamte Team sind in dieser Schicht enorm. Ein guter Teamgeist unter den Kolleginnen und Kollegen ist dann besonders wichtig. „Wir sitzen alle im gleichen Boot. Die Ärzt*innen und die Pflegekräfte wollen in der Silvesternacht einfach gute Arbeit leisten und gemeinsam Gutes bewirken. Wenn uns das gelingt, macht auch diese ernste Arbeit Spaß.”

Nach den heiklen Stunden kurz nach Mitternacht ist die Arbeit von Dr. Vogel noch nicht getan. Denn am nächsten Morgen geht es in die zweite Runde: Grund dafür sind Böller und Feuerwerkskörper, die in der Nacht nicht oder unvollständig zündeten. Abenteuerliche Zweitversuche am Neujahrstag führen dann oft zu unerwartet schnellen Explosionen, aufgrund der kürzeren Lunten. Wer morgens auf Streifzug geht, um übrig gebliebene Sprengkörper aufzusammeln kennt die Herkunft und Art des Knallkörpers oftmals nicht. Fallen Leichtsinnigkeit und Unglück zusammen, ist der Rettungswagen wieder im Einsatz.

Ungebremste Freude an Raketen, Böllern und Co.


133 Millionen Euro Silvesterumsatz hat Deutschland im letzten Jahr erzielt. Vor allem in den Großstädten wie Berlin ist von einem Abebben der Knallerfreude nicht viel zu spüren. Zwar ist die Einsatzzahl von Feuerwehr und Polizei im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig, doch die Bilanz der Einsatzkräfte ist immer noch beachtlich: „Von 19 bis 6 Uhr musste die Feuerwehr 1385 Male ausrücken: zu 432 Bränden. 894 Male musste der Rettungsdienst ausrücken. Zudem gab es 59 sonstige Einsätze. An normalen Tagen bewältigt die Feuerwehr rund 1400 Einsätze in 24 Stunden. Bei der Polizei gingen zwischen 18 und 6 Uhr 2979 Notrufe ein – 105 weniger als im Vorjahr.”, lautete die Hauptstadt-Bilanz der Berliner Zeitung am 01.01.2019. Auch im Berliner Unfallkrankenhaus ging es im letzten Jahr hoch her: Bis zum frühen Abend des Neujahrstages wurden hier 25 Personen aufgrund von Unfällen mit Böllern und Feuerwerk behandelt, darunter auch sechs Kinder, die allesamt mit Amputationen zu kämpfen hatten.

Mehr Sicherheit mit deutschem Qualitätssiegel


Wer auf das eigene Feuerwerk an Silvester nicht verzichten möchte, sollte beim Einkauf einige Sicherheitsaspekte berücksichtigen, rät Dr. Vogel: „In Deutschland zugelassene Sprengkörper sind deutlich sicherer. Sie werden vor Verkauf umfangreich getestet. Die Verletzungen, die Sie sich mit den in Deutschland zugelassenen Sprengkörpern zuziehen könnten, sind relativ harmlos. Grund dafür ist die vergleichsweise geringe Sprengwirkung dieser stark geprüften Knaller und Böller.” Schwere Verletzungen wie z. B. Fingeramputationen treten laut Arnulf also eher nicht ein, wenn auf die in Deutschland freiverkäuflichen und zugelassenen Böller zurückgegriffen wird.

Hilfreiche Tipps zu Silvester gibt es auch von der Verbraucherzentrale: Zündende Tipps für schadenloses Böllern.

Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie ein frohes und sicheres Neujahrsfest und einen guten Start ins Jahr 2020!

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