PKV sagt Danke: Wie ein Qualitätsprüfer Pflegeheime zum Krisenmanagement berät

09 Oct
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Bereits in jungen Jahren konnte Norman Martin viel Erfahrungen in seinem Beruf sammeln: Der 31-Jährige aus Sachsen-Anhalt ist examinierte Pflegefachkraft. Er hat als Führungskraft in verschiedenen Pflegeeinrichtungen gearbeitet und das Krisenmanagement für einen großen Träger in Deutschland geleitet. Zudem absolvierte er ein Studium im Pflegemanagement.

Seit 1. Januar 2020 arbeitet Martin beim Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung. Er prüft die Qualität der pflegerischen Versorgung von Pflegeeinrichtungen. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurden die Qualitätsprüfungen bis Ende September 2020 ausgesetzt. Der Prüfdienst der PKV erfand sich in der Krise gewissermaßen neu: Viele Kolleginnen und Kollegen halfen ehrenamtlich in stationären und ambulanten Einrichtungen, Gesundheitsämtern und Krankenhäusern. Andere – wie Norman Martin – schulen und beraten Pflegepersonal zu Themen, die rund um die Pflege in Zeiten der Pandemie und darüber hinaus wichtig sind. Während der Aktion „PKV sagt Danke“ konnten sich Pflegeeinrichtungen vom 3. August bis zum 30. September 2020 für 100 dieser kostenfreien Beratungen und Schulungen bewerben.

Wir haben mit Norman Martin darüber gesprochen, welche Erfahrungen er durch seine Beratungstätigkeit machen durfte.

Hallo Herr Martin, wie kamen es dazu, dass Sie als Berater für den PKV-Prüfdienst tätig wurden?

Die Projektverantwortlichen in unserer Abteilung suchten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bereits langjährige Erfahrung in den jeweiligen Beratungs- und Schulungsthemen vorweisen konnten. Deshalb wurde ich für den Bereich Krisenmanagement und Risikomanagement angefragt. Ich habe das Angebot dankend angenommen. Es hat mich auch gefreut, dass mir dieses Vertrauen entgegengebracht wurde.

Zu welchen Themen wurden Schulungen und Beratungen den Pflegeeinrichtungen angeboten?

Wir haben sieben pflegefachliche Themen für Schulungen angeboten und sieben Managementthemen im Bereich Beratung. Offensichtlich haben wir damit den Bedarf der Pflegeeinrichtungen getroffen, denn es haben sich in den ersten zwei Wochen über 700 Einrichtungen gemeldet. Ich habe Pflegeeinrichtungen zum Thema des Krisen- und Risikomanagements beraten und eine Einrichtung zum Thema Entbürokratisierung in der Pflege geschult.

Krisenmanagement klingt ziemlich technisch. Was steckt dahinter?

Das Krisenmanagement betrifft sehr oft die Personalplanung in Einrichtungen. Die Pflegeleitung steht – vor allem in Krisensituationen – vor der Herausforderung, das verfügbare Pflegepersonal bestmöglich in der laufenden Pflege einzusetzen. Das ist nicht immer einfach, denn durch Urlaub oder Krankheit fehlen auch mal Kollegen. So entstehen personelle Lücken. Dann braucht es passende Maßnahmen, um die Pflegebedürftigen weiterhin gut versorgen zu können.

Mit welchen Maßnahmen lassen sich derartige Krisen „managen“?

Ich habe Pflegeleitungen zum Beispiel Ansätze aufgezeigt, die dabei helfen können, die verfügbaren Fachkräfte effizienter einzusetzen. Ich gab etwa Anregungen, wie die Einrichtungen durch abteilungsübergreifende Aufgabenverteilung bessere Arbeitsabläufe organisieren können. Der Arbeitsalltag in den Pflegeeinrichtungen ist oft eng getaktet. Es fehlt daher manchmal die Zeit, um neue Abläufe zu implementieren. Hier habe ich Methoden präsentiert, mit denen sich neue Wege beschreiten lassen – zum Beispiel indem man sich in thematischen Arbeitskreisen organisiert.

Wie reagierten die Pflegeeinrichtungen auf das Beratungs- und Schulungsangebot?

Ich wurde bei allen Beratungs- und Schulungseinsätzen durchweg herzlich aufgenommen. Das Feedback der Mitarbeiter war durchweg sehr positiv. Man sah mich nicht als Prüfer, sondern als Experte für Fragen des Krisenmanagements. Viele Teilnehmer kamen mit dem Wunsch auf mich zu, auch in Zukunft bei einem derartigen Angebot wieder teilnehmen zu wollen.

Aktuell fordert die Corona-Pandemie unser Gesundheitswesen besonders heraus. Welche Rolle spielte diese konkrete Krise bei den Beratungen?

Natürlich ist dieses Thema in allen Einrichtungen präsent. Auch wenn Einrichtungen nicht direkt vom Infektionsgeschehen betroffen sind, müssen sie sich hierauf vorbereiten. Deshalb gibt es diverse Fragen beispielsweise zur Erstellung von Pandemieplänen. Hier gab es beispielsweise Beratungsbedarf im Umgang mit den Gesundheitsämtern.

Seit dem 1. Oktober 2020 führt der PKV-Prüfdienst wieder Qualitätsprüfungen in Pflegeeinrichtungen durch …

Das ist in der Tat ein großes Thema gewesen: Nicht nur die Pflegeeinrichtungen mussten sich auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie einstellen, auch der Prüfdienst der PKV hatte viele Anforderungen zu erfüllen. Hierbei standen natürlich insbesondere die Fragen der Hygiene im Vordergrund, um allen Beteiligten der Prüfung größtmögliche Sicherheit zu geben. Erfreulicherweise sind auch die Pflegeeinrichtungen gut vorbereitet, so dass trotz hohem Aufwand zur Umsetzung der notwendigen Hygienemaßnahmen Prüfungen reibungslos umgesetzt werden können.

Vielen Dank für die Einblicke, Herr Martin!