Phil

24 Dec
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Er heißt Phil und könnte der Bruder des früheren Fußballnationalspielers Gerald Asamoah sein. Jedes Mal, wenn ich in den OP geschoben wurde, dachte ich „Da steht er doch, der Fußballer“. Groß, stark, dunkelhäutig und ein ständig verschmitztes Lächeln im Gesicht. Mitte dreißig etwa.

Phil ist Krankenpfleger und der Erste, dem man begegnet, wenn man in den OP geschoben wird. Neunmal bin ich in den OP geschoben worden, neunmal hatte Phil Dienst – mal morgens, mal spätabends, mal nachts -, und neunmal verlor die OP ihren Schrecken. Nach einer sehr schlimmen Infektion des rechten Unterarms musste dieser zunächst aufgeschnitten, in mehreren OPs „gereinigt“ und dann mit der Spalthaut von meinem Oberschenkel geschlossen werden. Nicht alles ging ohne Komplikation, daher die „neunmal“.

Ich habe eines in meinem Fall gelernt: Das Medizinische ist die eine Seite und da erlebt man gleich an mehreren Stellen wahre Wunder. Was alles möglich ist und was Ärztinnen und Ärzte alles können. Heute bin ich im besten Sinne des Wortes „geheilt“, mir geht es besser denn je, auch wenn der Preis recht hoch war. Der Unterarm sieht halt jetzt nicht mehr so schön aus wie vorher. Aber er ist dran!

Zugleich aber gilt die andere Seite: Es ist so unglaublich wichtig, wem man begegnet, wer einem „das Händchen hält“, wer einem Mut zuspricht und wer einen vor allem mit seinen Ängsten ernst nimmt.

Dank an einen wahren Pflegeprofi

Und da bin ich wieder bei Phil: Ich weiß nicht, wie vielen Menschen er in seiner Schicht begegnet. Zehn? Zwanzig? Mehr? Wichtig für mich war: Wenn sich die kühle Stahltür geöffnet hatte und das gleißende Licht den Vorraum zum OP ankündigte, stand da jemand, der einen im wahrsten Sinne des Wortes in Empfang genommen hat, der eine nette Bemerkung auf den Lippen hatte, der ganz einfach die Spannung aus der schwierigen Situation herausnahm. Die Schwestern, die mich in den OP hineinschoben, wussten: Ist Phil da, steigt der Flirtfaktor. Die einen rollten mit den Augen, die anderen stiegen ein und machten mit. Und während man vom Krankenbett auf den OP-Tisch rollte bzw. robbte und die wärmende Decke über sich spürte, flogen über einem die Funken.

Die Schwestern gingen, Phil wandte sich – wie gesagt neun Mal – wieder mir zu und wünschte mir alles, alles Gute. Was ja auch geklappt hat. Er selbst hat mich als seinen „Stammgast“ bezeichnet, einen Titel, auf den ich gerne verzichtet hätte, aber verdient ist schließlich verdient.

Ich möchte mich bei Phil bedanken. Bei ihm liegt man nicht auf einem kalten, kühlen OP-Tisch, sondern steht auf Augenhöhe. Noch bevor die Anästhesisten ihr Werk tun, hat er schon eine hohe Dosis Beruhigung verabreicht.

Ein menschliches Anästhetikum. Beziehungsweise mehr. Sehr viel mehr!


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