Let’s talk about Sex

03 Jul
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Rund 11.000 Menschen in Deutschland leben nach Hochrechnungen des Robert-Koch-Instituts mit HIV, ohne es zu wissen. Auch Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Tripper werden oft nicht oder nicht rechtzeitig erkannt, weil die Symptome unspezifisch sind und sexuelle Gesundheit beim Arzt häufig aus Scham nicht thematisiert wird.

In Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat die Deutsche Aidshilfe deshalb das Fortbildungskonzept "Let’s talk about Sex" entwickelt. Das Kommunikationstraining soll Medizinern helfen, klare Strategien für ihren beruflichen Alltag zu erarbeiten, um einfühlsam und vorurteilsfrei über Sexualität zu sprechen. Die Finanzierung durch den Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) macht es möglich, dass die Workshops für die Teilnehmer kostenfrei sind.

Die Fortbildungen richten sich vor allem an Allgemeinmediziner, Hausärzte und Gynäkologen sowie Medizinstudierende. Seit 2010 haben insgesamt mehr als 3.300 Teilnehmer in fast 240 Workshops teilgenommen. Die Veranstaltungen vermitteln Grundwissen über HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) sowie Fertigkeiten für die Gesprächsführung: etwa, wie Ärzte mit Ängsten und heiklen Themen umgehen können. In praktischen Übungen und Rollenspielen wird ein gendersensibles und zugewandtes Gesprächsverhalten geübt; die Teilnehmer machen sich eigene Haltungen bewusst und hinterfragen sie; sie lernen, Diskriminierungen im Gesundheitswesen zu erkennen.

Aha-Erlebnisse bauen Hemmungen ab

"Wir möchten einen offenen Dialog zwischen Arzt und Patient ermöglichen", erläutert Silke Eggers, Projektleiterin HIV-/STI-Prävention in der ärztlichen Praxis der Deutschen Aidshilfe: "Die Workshops bieten einen sicheren Rahmen sich auszuprobieren, zu erleben, dass es gar nicht so schwierig ist wie gedacht – und vor allem, dass Patienten häufig erleichtert sind, wenn ihre Ärztin oder ihr Arzt das Thema anspricht." Diese Aha-Erlebnisse bauen Hemmungen ab, erlebt Silke Eggers.

Die Deutsche Aidshilfe bietet das Konzept "Let’s talk about Sex" als Inhouse-Schulung in individuellen Formaten von 1,5 Stunden bis zu Ganztagsveranstaltungen an. Gemeinsam mit der Berliner Charité und dem Universitätsklinikum Frankfurt wurden Ausbildungsmodule für Studierende und Dozenten entwickelt. "Sexuelle Gesundheit und die entsprechende Prävention kommen an deutschen Universitäten viel zu kurz", sagt Silke Eggers: "Die Sexualanamnese, insbesondere im Hinblick auf homo-, bi- und intersexuelle Menschen, trans* und queere Personen, fehlt fast völlig." Mittlerweile werden "Let’s talk about Sex"-Schulungen an fast 20 Universitäten angeboten, einige führen die Schulungen selbstständig durch.

Die Workshops werden laufend aktuellen Themen und Veränderungen angepasst: Jüngst hinzugekommen sind zum Beispiel Informationen zu der HIV-Prophylaxe PrEP und darüber, dass die HIV-Therapie auch die Übertragung des Virus verhindert.

Die Teilnehmer schätzen das Angebot der Deutschen Aidshilfe. "Unseren "Let’s talk about Sex"-Veranstaltungen wird ein sehr hoher Nutzen bescheinigt", berichtet Silke Eggers: "Vor allem die Mischung aus medizinischer Wissensvermittlung oder -auffrischung und interaktiven Elementen kommt an." Für viele sei es zunächst eine Hemmschwelle, sich auf die Rollenspiele in den Workshops einzulassen – ihnen geht es womöglich ähnlich wie einigen ihrer Patienten. Aber Silke Eggers weiß: "Im Nachhinein wird hier der größte Lerneffekt gesehen."

Kennst auch Du jemanden im Gesundheitswesen, dem Du Danke sagen möchtest? Schreib uns seine bzw. ihre Geschichte an: dankesagen(at)pkv(dot)de.