Keine Angst vor der Nachtschicht!

17 Jun
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Um es gleich vorweg zu sagen: Meine erste Nachtschicht als Auszubildende zur Gesundheits- und Krankenpflegerin war ungewohnt, aber glücklicherweise nicht so hart wie ich es mir vorgestellt hatte.

Nachtschicht: Das bedeutet viel Verantwortung. Davor hatte ich sehr großen Respekt. Ich war auf einer gynäkologischen Station, mit Neugeborenen und frisch gebackenen Muttis. Ich unterhielt mich mit einer Pflegerin darüber, wie ich mich auf meine erste Nacht (vor allem körperlich) vorbereiten könne, da es schon ein Eingriff in den gewohnten Bio-Rhythmus des Menschen ist, die ganze Nacht wach und aktiv zu bleiben, ohne jeglichen Alkohol-Einfluss natürlich. Die ganze Nacht zu feiern, ist schließlich etwas Anderes, als die ganze Nacht zu arbeiten.

Vor der Nachtschicht habe ich viel geschlafen.

Die erfahrene Kollegin riet mir, mich am Morgen vor der Nachtschicht richtig schön auszuschlafen, bis ich nicht mehr im Bett liegen kann. Den Tag langsam anzugehen und nichts zu unternehmen, was mir sämtliche Energie raubt. Zum Beispiel einen Marathon zu laufen (ein übertriebenes Beispiel), oder den ganzen Tag wandern zu gehen. Ich sollte am Nachmittag vor dem Dienst, wenn möglich, nochmal einen Mittagschlaf machen.

Fit und ausgeruht trat ich meine erste Nachtschicht an. Um 22:00 Uhr stand ich umgezogen auf Station, hörte mir die Übergabe an. Es war keine pflegeaufwendige Station. Viele Muttis waren sehr selbstständig im Umgang mit ihren Neugeborenen und meldeten sich fast nur zur Stillprobe. Dann holte ich die Kinder aus den Zimmern, wog sie und wickelte sie zum Schluss noch einmal. Notfälle oder Probleme gab es in dieser Nacht nicht.

Ab drei Uhr morgens kämpfe ich mit dem Schlaf.

Ich finde, die schlimmste Zeit ist von drei bis fünf Uhr morgens. In der Zeit fällt es mir schwer, die Augen offen zu halten, wenn es nichts zu tun gibt. Der Trick ist, sich Aufgaben zu suchen. Auf einer ruhigen Station sind es die Routinearbeiten wie Auffüllen von Material und Pflegewagen, den Arbeitsplatz säubern und wischen und den Notfallwagen kontrollieren. Die Nacht kann sich sehr in die Länge ziehen, wenn man müde ist. Irgendwann ist es aber vorbei und die Kollegen kommen zum Frühdienst. Ein sehr erleichterndes Gefühl.

Wie man sich die Zeit der Nachtschicht gestaltet, um körperlich und geistig fit zu sein, ist jedem selbst überlassen und vor allem sehr individuell. Manch einer bleibt nach der Nachtschicht bis zur Mittagszeit wach und legt sich dann bis abends schlafen, um dann ausgeruht zum Dienst zu erscheinen. Manche meiner Kollegen gingen sogar noch ins Fitnessstudio. Ich - für meinen Teil - bin viel zu erschöpft, um mich länger wach zu halten als nötig. Ich bin froh, wenn ich es geschafft habe mit dem Auto nach Hause zu fahren. Ein Tipp, um sich die Autofahrt zu erleichtern und wach zu bleiben, ist Musik zu hören und z.B. laut mitsingen, ein Fenster für frische Luft herunter zu kurbeln und öfter kleinere Positionswechsel vorzunehmen. Bei schönem Wetter fahre ich lieber mit dem Motorrad zur Nachtschicht, weil ich konzentrierter als im Auto fahre und einfach mein Visier hochklappen kann, um mir den Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen.

Nachtschicht auf der Rettungsstelle und in der inneren Medizin

Meine nächsten Nachtschichten waren auf der Rettungsstelle und auf einer eher pflegeaufwendigeren Station, der inneren Medizin. Hier liegen viele Patienten mit einer hohen Pflegestufe, die auch nachts mehrere Positionswechsel benötigten, um Wundliegen zu verhindern. Dies war sehr anspruchsvoll. Ich machte es wie vor den vorangegangenen Nachtschichten und ruhte mich vorher ordentlich aus. Erstaunlicherweise war ich in dieser Nachtschicht nicht sonderlich schläfrig, sondern wach und konzentriert. Das lag daran, dass ich viele Aufgaben hatte und es immer etwas zu tun gab.
Vorteile in der Nachtschicht

Der Vorteil der Nachtschicht ist, dass es nicht so hektisch und stressig zugeht wie im Frühdienst. Niemand rennt auf den Fluren rum, keine Angehörigen, keine Visiten, nicht so viele Krankenhausmitarbeiter. Man hat Zeit seine Arbeit in Ruhe und gewissenhaft auszuführen. Natürlich darf kein Notfall eintreten; Gottseidank sind bisher in meinen Diensten solche Notfälle ausgeblieben. Weil es aber immer und zu jedem Zeitpunkt passieren kann, ist es unabdingbar und von großer Wichtigkeit, immer sein Diensttelefon bei sich zu tragen! In einem Patientenzimmer hört selten jemand Hilferufe.

Hilft Kaffee in der Nachtschicht?

Nachtschichten können sehr unterschiedlich verlaufen, dabei kommt es natürlich immer auf die Station an, auf der man sich befindet. Nach meinem Empfinden ist es umso schwerer, gegen die Müdigkeit anzukämpfen, je entspannter der Dienst ist. Ab einer bestimmten Uhrzeit hilft leider auch kein Kaffee mehr. Ich höre ab Mitternacht auf, Kaffee zu trinken und steige auf Tee und Wasser um, da ich mich sonst körperlich unwohl fühle und mein Magen nicht mehr mitspielt.

Es kommt immer darauf an, wie viele Nächte man hintereinander im Nachtdienst ist. Da jede Nachtschicht einen Ausnahmezustand für unseren Körper bedeutet, ist es wichtig die Zahl der aufeinanderfolgenden Nachtdienste klein zu halten. Meiner Meinung nach, sind drei Dienste hintereinander die perfekte Anzahl, um körperlich und geistig den Anforderungen Stand zu halten und gewissenhaft handeln zu können.

Mittlerweise habe ich ja schon etwas Routine und kann sagen: Finde heraus, was für dich wichtig ist, um die Nachtschichten gut zu überstehen. Und halte dich daran!