Kein ganz normaler Feierabend

17 Nov
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Erst vier Monate arbeitete ich bei meiner neuen Arbeitsstelle in Bonn. Gerade eingearbeitet und schon musste ich erstmal für ein paar Wochen aussetzen.

Es war Dienstag der 12. Januar 2016. In freudiger Erwartung des Feierabends stieg ich in mein Auto und fuhr auf direktem Wege nach Hause, lediglich 15 Kilometer von Bonn entfernt. Es war die letzte Ampel auf der Strecke, welche über meinen Feierabend entscheiden sollte. Ich fuhr auf der linken Abbiegespur bei grün los und gerade mitten auf der Kreuzung bekam ich von rechts einen Schlag – ein anderes Auto fuhr bei Rot über die Ampel und rammte mein Auto. Ich verlor die Kontrolle über das Lenkrad und mein Wagen fuhr unkontrolliert abseits der Kreuzung in eine Leitplanke. Schnell waren die ersten Helfer vor Ort. Da ich Glasknochen habe, d.h. die Knochen leichter brechen als bei gesunden Menschen, wusste ich um meine Situation.

Und ich wusste auch: nach dem Schock kommen die Schmerzen – ist eventuell etwas gebrochen?


Die Unfallaufnahme geschah noch im Krankenwagen auf der Straße, die Schuldfrage war zum Glück schnell geklärt. Die verständnisvollen Rettungssanitäter, welche sich sofort nach meinen Schmerzen erkundigt haben, mich fragten, ob ich auf der Trage gut liege, und sich auch sonst hervorragend um mich sorgten, konnte ich davon überzeugen, dass ich aufgrund meiner Glasknochen unbedingt meinen Arzt und sein Team brauche – vor allem um eine eventuelle Fraktur abzuklären. Das sehr besonnene Handeln der beiden Sanitärer werde ich positiv in Erinnerung behalten.

Wir fuhren also nach Köln in „mein“ Krankenhaus, das Severinsklösterchen.Der Professor und sein Team kennen mich seit Jahren – alle sind bestens vertraut mit mir, was bei meiner Erkrankung besonders wichtig ist. Dort angekommen, sah ich gleich das erste bekannte Gesicht: „Rouven, was ist denn passiert?“ Ich erzählte meine Geschichte, zählte auf, was mir alles weh tat.

Angekommen, gehört, verstanden werden.


Besser konnte es nicht laufen. Und die nächsten Untersuchungen verliefen nach einem ähnlichen Schema, großes Entsetzen (weil man mich als lebensfrohen jungen Mann kennt, der „nur“ Glasknochen hat), doch dann voller Einsatz in allen Bereichen des gesamten Personals des Krankenhauses. Auch das bekannte Gesicht aus der Patientenaufnahme kam nach meiner Einlieferung zu mir ins Zimmer und fragte nochmals nach meinem Befinden.

Josef aus der Radiologie, die Schwestern Julia, Michaela, Larissa, Susanne, Jaqueline und viele andere im Tagdienst, die Nachtschwester Regina, das OP-Team – alle haben Hand in Hand gearbeitet, damit ich schnell wieder fit werde. Die Schwestern haben immer ihr Bestmögliches getan, um mir die Tage nach der Operation so schmerzfrei wie möglich zu gestalten. Sei es mit Humor oder einem offenen Ohr.

Und mein Arzt, der mich seit dem Säuglingsalter kennt und auch in den darauffolgenden Wochen bei zwei Operationen ganze Arbeit geleistet hat, auch ihm gebührt mein großer Dank! Durch einen Bruch oberhalb des Knie hatte er einen Draht zur Stabilisation eingesetzt, welcher in einer zweiten Operation bei Ausheilung der Fraktur wieder entfernt werden konnte.

Nach zwei Aufenthalten im Severinsklösterchen in der Kölner Südstadt war ich wieder „der Alte“. Ich war einerseits froh, das temporäre „Zuhause“ verlassen zu können, andererseits aber auch froh, wieder solch eine tolle Behandlung und Fürsorge erhalten zu haben.

(Bild: iStock-514152054)