Höhen und Tiefen im Leben einer Krankenschwester (Teil 2)

30 Oct
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Die Härten meines Berufs: Gehen wir von einem normalen Tag der Krankenschwester aus. Es ist schon Wahnsinn, mit wie vielen Charakteren ich täglich umgehen muss. Die verunsicherten Angehörigen, die dich mit Fragen löchern, jeden Handgriff von dir genau beobachten. Ich versuche, ihnen die Angst zu nehmen

Ich erkläre ihnen in verständlicher Form die Therapie, die Medikamente und Maschinen. Ich versuche zu übersetzen, was der Doktor zuvor gesagt hat. Da sind die Dementen, die schreien, sich den Tropf aus dem Arm ziehen und die Nacht zum Tage machen. Ich habe Verständnis für diese armen alten Menschen. Schließlich befinden sie sich nicht in ihrer gewohnten Umgebung. Ich versuche sie zu beruhigen, aber so einfach ist das leider nicht. Irgendwann bist du dann auch mal mit deiner Geduld am Ende. Und im nächsten Moment wacht der völlig zugedröhnte Junkie auf, der dich aufs übelste beschimpft und um sich schlägt. Ich bewahre Ruhe, versuche ihn zu beruhigen, rufe nach Hilfe, denn alleine hat man bei so geballter Aggressivität keine Chance. Das sind so Momente in denen ich mich frage: Warum tue ich mir das eigentlich an?

Manchmal kommt noch ein arroganter Arzt hinzu, der mit Dir umspringt, als seist du seine persönliche Assistentin. Einerseits stehst du drüber, fragst dich aber auch, warum man dir mit so wenig Respekt begegnet.

Warum ich trotzdem gerne Krankenschwester bin

Das war die eine Seite. Es gibt aber auch die super-süßen und netten "Omas" und deren Angehörige, die dich mit Dankbarkeit und Bewunderung überschütten. Oder die Patienten, die dir auch noch Jahre nach der Genesung einen kurzen Besuch abstatten, um sich für die hervorragende Pflege bei dir zu bedanken. Lob tut bekanntlich immer gut.

Es gibt die vielen guten Ärzte, die mit uns täglich Hand in Hand arbeiten. Die die Krankenschwestern um Rat fragen und mit denen man auf einem respektvollen Niveau diskutiert. Weil wir nämlich beide wissen: Nichts geht ohne Arzt, aber noch weniger ohne die Krankenschwester. An dieser Stelle ein herzliches "Danke" an mein Team für so manch eine sehr schöne und auch lustige Schicht!

Ich verbringe im Schnitt – wenn es gut läuft – zwei bis drei Stunden am Bett jedes Patienten, beobachte seine Entwicklung. Der Pflege kommt dadurch für den Fortschritt der Genesung eine sehr wichtige Rolle zu, wie ich finde, denn der Arzt ist nur zur Therapiebesprechung da.

Nach der Pflege kommt die Dokumentation

Man macht sich keine Vorstellung, wieviel Arbeit und Zeit das kostet. Hoch konzentriert wird alles auf die Viertelstunde genau dokumentiert – und da muss man sich so einiges merken. Denn man hat ja nicht immer gleich Zeit, alles niederzuschreiben. Ruhe zum Dokumentieren gibt es eigentlich nicht wirklich; oft genauso wenig wie echte Pausen: Der Arzt, der die Therapie umgestellt hat, und dir im Vorbeilaufen mündlich seine Anordnung weitergibt; der Patient der Schmerzen hat, dann ein Alarm. So kommt es vor, dass man in seiner Pause "Schüsseln schiebt", während man sein Brötchen noch nicht vollständig runtergeschluckt hat.

Unsere Patienten werden durch Geräte am Leben erhalten. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Maschinen und Geräte ich mittlerweile bedienen kann. Und es kommen immer neue hinzu. Alle Einstellungen an den Geräten müssen immer gut überdacht und geprüft werden. Oft höre ich so Sätze: "Wie schaffen Sie es, bei all diesen Kabeln und Schläuchen den Überblick zu behalten?" Na, ja ich bin Krankenschwester!