Gebärdensprachdolmetscher: Sie geben Menschen mit Hörbehinderung eine Stimme

24 Jan
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Gestern ein Termin im Rathaus, am Sonntag zum Gottesdienst in der Nachbargemeinde - Das Einsatzgebiet eines Gebärdensprachdolmetscher ist groß. Rund 200.000 Menschen sprechen die Deutsche Gebärdensprache, fast 80.000 davon sind Menschen mit Hörbehinderung. Gebärdensprachdolmetscher helfen ihnen bei alltägliche Dingen wie Arztbesuchen.

Manchmal beginnt der Einsatz eines Gebärdensprachdolmetschers auch schon vor dem Arztbesuch. Während andere zum Telefonhörer greifen und einen Arzttermin vereinbaren, vermitteln sie zwischen hörbehinderten Menschen und Arzt per Videotelefonat. Auch begleiten Gebärdensprachdolmetscher gehörlose Patienten ins Krankenhaus, um das Abschlussgespräch vor einer Operation zu übersetzen.

Wo finde ich Gebärdensprachdolmetscher?

Viele Gebärdensprachdolmetscher kennen Menschen mit Hörbehinderung persönlich. Gerade bei vertraulichen Gesprächen beim Arzt oder im Krankenhaus ist es von Vorteil, einen vertrauensvollen Gebärdensprachdolmetscher hinzuziehen.

In einigen Bundesländern gibt es "Gebärdensprachdolmetscher-Vermittlungsstellen". Dies sind staatlich finanzierte Stellen, die häufig bei den Gehörlosenverbänden ansässig sind. Ebenso können sie über die Gebärdensprachdolmetscher-Verbände der einzelnen Bundesländer angefragt werden.

"Krankenhäuser, aber auch Ärzte, können ebenfalls Gebärdensprachdolmetscher bestellen. Denn ein Gebärdensprachdolmetscher stellt nicht nur sicher, dass der Patient alles versteht, sondern sorgt auch im Sinne des Arztes für Rechtssicherheit, z. B. bei OP-Aufklärungen.", erläutert Kathleen Riegert, BDÜ-Bundesreferentin für das Gebärdensprachdolmetschen. Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (www.bdue.de) repräsentiert etwa 80 Prozent aller organisierten Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland.

Wo kann ich Gebärdensprachdolmetschen studieren?

Die Humboldt-Universität Berlin bietet einen Masterstudiengang und die Universität Hamburg einen Bachelorstudiengang für Gebärdensprachdolmetscher an. Neben dem Studium gibt es die Möglichkeit eine staatliche Prüfung an der Hessische Lehrkräfteakademie und der GIB-BLWG in Nürnberg zu absolvieren. Mehr Informationen dazu findest Du hier.

Zu welchen Anlässen können Gebärdensprachdolmetscher eingesetzt werden?

Gebärdensprachdolmetscher sind in allen medizinischen Bereichen tätig, vom Haus- oder Facharztbesuch – beim Kinderarzt, wenn die Eltern gehörlos sind – bis hin zu schwierigen Eingriffen im Krankenhaus wie Transplantationen.

Es gibt mehr als eine Gebärdensprache

Beim Dolmetschen gibt es verschiedene Sprachen. Manche Dolmetscher übersetzen zwischen Deutsch und Deutscher Gebärdensprache und andere zwischen Französischer oder Englischer Gebärdensprache.

Wie lange begleiten Gebärdensprachdolmetscher Patienten?

Wenn sich Gebärdensprachdolmetscher und Patient schon länger kennen, werden Termine beim selben Arzt meist vom selben Gebärdensprachdolmetscher übersetzt. Dies ist für alle Seiten von Vorteil, da der Ablauf und die Hintergründe, auch die Patientengeschichte, schon bekannt sind. Manche wechseln allerdings den Gebärdensprachdolmetscher, um ihre Privatsphäre zu wahren. "Grundsätzlich steht der Gebärdensprachdolmetscher aber gemäß ihrer Berufs- und Ehrenordnung unter einer Schweigepflicht. Diese Pflicht gilt, wie für die Ärzte, über den Tod hinaus.", erklärt Kathleen Riegert.

Tipp aus der Praxis

Für viele Menschen ist es ungewohnt, mit/über Gebärdensprachdolmetscher zu kommunizieren. "Da Dolmetscher in der Regel die „Ich“-Form verwenden und damit den jeweiligen Patienten meinen, kann es passieren, dass dem Arzt nicht klar ist, wer gerade spricht. Häufig werden Gebärdensprachdolmetscher auch für Angehörige oder Betreuer gehalten. Gerade bei einmaligen Arztterminen kann es jedoch sein, dass sich Gebärdensprachdolmetscher und gehörloser Patient zum ersten Mal sehen. Insbesondere wenn der Arzt noch keine Erfahrung mit dem Gebärdensprachdolmetschen hat, ist eine Beschreibung des Ablaufs und der Situation gleich zu Beginn sehr hilfreich.", empfiehlt Kathleen Riegert.

Kennen auch Sie jemanden im Gesundheitswesen, dem Sie Danke sagen möchten? Schreiben Sie uns Ihre Geschichte an: dankesagen(at)pkv(dot)de.