Freiwilligen Dienst im Corona Zentrum

15 May
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Seit 2011 arbeitet Jutta Woythal als Qualitätsprüferin im Prüfdienst des PKV-Verbandes. Sie prüft also stationäre, teilstationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen. An ihrer Arbeit gefällt ihr besonders der beratungsorientierte Ansatz, der es ihr erlaubt, die Einrichtungen zu unterstützen und wertzuschätzen. Doch seit dem 27. März hat sich Jutta Woythals Alltag radikal verändert: Statt als Qualitätsprüferin engagiert sie sich freiwillig im Corona Zentrum in Landstuhl.

Was hat sich durch Corona verändert?

Jutta Woythal: Aufgrund der Corona-Krise können wir bis zum 30.09.2020 keine Qualitätsprüfungen durchführen, sondern arbeiten im Homeoffice. Der Vorteil ist, dass wir mehr Zeit haben uns anhand von Fachliteratur tiefer mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen. Ich lese gerade "Fremde Welt Pflegeheim" von Ursula Koch-Straube.

Ohne die typischerweise zwei Qualitätsprüfungen pro Woche durchführen zu müssen, können wir uns auch besser auf unsere Arbeitsgruppen konzentrieren. Ich arbeite an dem Projekt "Herausforderndes Verhalten" – in dieser Arbeitsgruppe geht es um die Aufbereitung von Wissen und Unterstützung für Pflegebedürftige mit psychischen Problemen. Wir entwickeln Handlungsanleitungen, Bewertungsmaßstäbe und auch Therapieansätze für Pflegeeinrichtungen.

Der Nachteil ist, dass uns der Kontakt zu unseren Kollegen fehlt und der gewohnte Arbeitsalltag weggebrochen ist. Es ist eine Herausforderung, sich jeden Tag zu motivieren, seinen Arbeitstag zu strukturieren. Wichtig finde ich es, die Situation so zu akzeptieren, wie sie ist und zu versuchen das Positive für sich herauszuholen. Getreu dem Motto "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht."

Sie unterstützenfreiwillig ein medizinisches Versorgungszentrum (bzw. das "Corona-Zentrum"). Wie kam es dazu und wie sieht Ihr Arbeitsalltag heute aus?

Jutta Woythal: Mich freiwillig einzubringen ist für mich eine Grundhaltung zu meinem Beruf als Pflegefachkraft. Getreu dem ICN Ethikkodex für Pflege möchte ich meine berufliche Tätigkeit dem Wohle des Einzelnen und der sozialen Gemeinschaft widmen. Daher war es für mich wichtig, mich in dieser besonderen Zeit aktiv einbringen zu können.

Ich habe mich für das Corona Zentrum in Landstuhl entschieden, da ich den Einsatz der Ärzte und medizinischen Fachangestellten (auch alle im ehrenamtlichen Einsatz) als herausragend empfunden habe. Hier behandeln Ärzte Patienten, die Symptome von COVID 19 aufweisen oder daran erkrankt sind, damit sie nicht in die Arztpraxis gehen müssen. Dem medizinischen Versorgungszentrum ist eine Radiologie anschlossen, sodass anhand eines CTs das Virus schneller festgestellt werden kann als wenn der Abstrich erst in ein Labor geschickt werden muss.

Ich bin seit dem 27. März täglich im Corona Zentrum im Einsatz: Ich hole die Patienten vom Auto ab, sie erhalten Mundschutz und Desinfektionsmittel und ich begleite sie in den Behandlungsraum. Ich helfe den Ärzten beim Anziehen und Entsorgen ihrer Schutzkleidung und desinfiziere das Untersuchungszimmer nach der Behandlung. Nach meinem Dienst im Corona Zentrum arbeite ich im Rahmen meiner Arbeitsgruppen, lese meine Mails und telefoniere viel, um den Kontakt nicht zu verlieren.

Inwiefern profitieren Sie in Ihrem aktuellen Einsatz von Ihrer Erfahrung als Qualitätsprüferin?

Jutta Woythal: Ich habe 1983 mein Examen als Krankenschwester abgelegt und habe lange in der Pflege gearbeitet. 13 Jahre war ich in einer interdisziplinären Intensivstation tätig. Als Qualitätsprüferin habe ich mich bereits frühzeitig mit den Richtlinien des Robert Koch-Instituts beschäftigt, sodass dies in meinem Einsatz für das Corona Zentrum nichts Neues für mich ist. Auch bin ich durch meine Arbeit für den PKV-Prüfdienst darin geübt, schnell mit ungewohnten und neuen Umständen umzugehen und mich darauf einzustellen. Diese Eigenschaften sind für meinen Einsatz im Ehrenamt sehr hilfreich. 

 

Was vermuten Sie, wie sich das Coronavirus auf Ihre Arbeit auswirken wird, wenn die Zahlen der Infizierten weiter stark ansteigt?

Jutta Woythal: Die Zahl der Infizierten wird ansteigen. Wichtig ist an dieser Stelle die Aufforderung "Flatten the Curve". Wir kennen die schlimmen Bilder aus anderen europäischen Ländern. Es geht hier darum, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Ich finde, dass Deutschland bis jetzt sehr gut mit der Pandemie umgegangen ist. Wenn ich die Nachrichten von Pflegeeinrichtungen in anderen Ländern und den Umgang mit den Pflegebedürftigen sehe, finde ich dies sehr erschreckend. Hier könnte sich Deutschland mutiger positionieren und als gutes Beispiel für andere Länder vorangehen: Als Vorbild wie die Altenpflege organisiert ist und welche hervorragende Arbeit die Pflegekräfte erbringen.

Es wird interessant sein, zu sehen, was sich in den Pflegeeinrichtungen verändert. Zum Beispiel im Hinblick auf den Einsatz bzw. die Aufgabenverteilung von Pflegefachkräften und Pflegekräften. Insbesondere mit diesem Thema werden wir uns, wenn die Qualitätsprüfungen in den Pflegeeinrichtungen am 01. Oktober 2020 wiederaufgenommen werden, wieder auseinandersetzen.

Die soziale Betreuung steht durch die Isolation der Pflegebedürftigen momentan täglich vor einer großen Herausforderung. Sie bekommt nun einen ganz anderen Fokus - Märchen vorlesen, Bingo spielen, Gymnastikgruppen planen-, um Menschen nicht in Depression verfallen zu lassen. Ich hoffe, dass diese Komponente auch in Zukunft an Bedeutung gewinnt und einen höheren Stellenwert in den Pflegeeinrichtungen bekommt.

Kennst auch Du jemanden im Gesundheitswesen, dem Du Danke sagen möchtest? Schreib uns seine bzw. ihre Geschichte an: dankesagen(at)pkv(dot)de.