Einsatz mit Verantwortung

27 Jul
Intro image

Mein letzter Praxiseinsatz in der Ausbildung zur Gesundheits-/ und Krankenpflegerin, auf der herzchirurgischen Station, war mit Abstand eine der bisher lehrreichsten Erfahrungen. Was den Einsatz für mich so besonders gemacht hat:

Da ich in der IMC eingesetzt war (ausgesprochen Intermediate Care), also sozusagen die Intensivstation für Patienten vor und nach einer Operation, gab es immer etwas zu tun. Für mich persönlich war das schön, da ich das Gefühl hatte, wirklich gebraucht zu werden. Im Team sowie bei den Patienten.

Viel zu tun, viel gelernt: Mein Pflegealltag auf Station

Alle Patienten waren durch aufwendiges Monitoring und zahlreiche Zu-/ und Ableitungen im Körper an ihr Bett gefesselt. Mein Aufgabenbereich war vielfältig: Unter anderem bestand er aus der Versorgung der OP-Wunden, meistens im Bereich des Brustkorbes. Die meisten Menschen mit Herzerkrankungen erhielten einen Herzklappenersatz oder Bypässe, ziemlich große Eingriffe und maximalinvasive Verfahrensweisen. Vorher hatte ich nie einen richtigen Überblick über meine Patienten. Jedenfalls konnte ich nicht viel mit deren Krankheitsbildern anfangen. Dank dieser Station und natürlich auch dank mehr theoretischer Erfahrung fiel mir das diesmal leichter.

Um einen kurzen medizinischen Einblick in solch eine OP zu gewähren: Der Operateur muss ans offene Herz gelangen. Dafür wird das Sternum – also das knöcherne Brustbein – aufgesägt (durchaus mit einer echten medizinischen Säge), das umliegende Gewebe wird frei geräumt, es wird sich langsam aber sicher ans Herz getastet. Während des kompletten Eingriffs ist das Herz an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, der Mensch erhält natürlich schon zu Anfang eine Vollnarkose. Die defekte Klappe wird entfernt, und eine Prothese wird eingenäht. Dabei kann es sich um eine mechanische oder eine biologische (z.B. Schweineklappe) handeln. Der Eingriff dauert in der Regel zwei bis drei Stunden.

Respekt vor der Leistung der Ärzte

Ich hoffe, hiermit einen kleinen Überblick der Operation verschafft zu haben. Es ist nämlich äußerst wichtig zu wissen, welchen Eingriffen sich unsere Patienten unterziehen müssen, bevor sie auf diese Station gelangen. Es klingt gruselig und schmerzhaft, ich habe auch damit zu tun gehabt, die Erkenntnis zu verarbeiten, dass man an der „menschlichen Lebensmaschine“ hantiert. Schließlich arbeitet keine technische Maschine der Welt länger ohne Schwierigkeiten als das menschliche Herz. Wenn man überlegt, dass der Mensch im Durchschnitt über 80 Jahre alt wird, ist es Wahnsinn, in diesen Mechanismus einzugreifen.

Naja, jedenfalls verbringen die Operierten nach dem Eingriff meistens ein bis zwei Tage auf der Intensivstation. Natürlich ist dieser Zeitraum situationsbedingt und von jedem individuellen Zustand des Patienten abhängig.
Auf der IMC der Herzchirurgie hört die strenge Überwachung allerdings noch nicht auf. Halbstündlich müssen lebenswichtige Vitalparameter gemessen werden, dazu zählen Blutdruck, Puls, Temperatur, Diurese (Ausscheidung durch die Niere), also umgangssprachlich die Urinmenge, und noch weitere. Eine meiner Hauptaufgaben und meiner Meinung nach auch wirklich notwendig.

Jeden Tag müssen die OP-Wunden kontrolliert, gereinigt, desinfiziert und neu verbunden werden. Die Zugänge  wie ZVK (zentraler Venen-Katheter), Arterienkatheter oder auch umfassende Drainage-Systeme müssen ebenfalls auf ausreichenden Sog überprüft werden. Nur ein Nebensatz zu Drainagen: Sie liegen im Körperinneren, nah am Wundbereich, und saugen das Wundsekret ab. Sie werden meist während der Operation gelegt und auf unserer Station gezogen.

Wie ich mit der Verantwortung für die Patienten umgehe

Ich war verdammt aufgeregt, als ich meine allererste Drainage ziehen durfte. Und wie es immer so ist, hatte die Patientin extreme Panik davor, diesen Schlauch mit ziemlich großem Durchmesser aus ihrem Bauch ziehen zu lassen. Und dann auch noch von einem Azubi im zweiten Lehrjahr, mit wenig praktischer Erfahrung, aber dafür ausreichender Empathie und viel Mitgefühl für die Situation. Somit konnte ich meine Patientin gut ablenken und eine Panikattacke verhindern.

Also wie schon gesagt: Es gab immer etwas zu tun. Mir wurde, obwohl ich „erst“ im zweiten Ausbildungsjahr bin, sehr viel Verantwortung in die Hände gelegt. Ich habe mich auch nicht überfordert gefühlt, weil ich nicht ohne jede Aufsicht handeln musste, sondern bei schwierigen Entscheidungen immer einen sehr gut ausgebildeten Praxisanleiter an meiner Seite hatte.

Mein Fazit

Im Großen und Ganzen war es ein toller Einsatz, in dem ich viel erlebt und gelernt habe. Klar habe ich auch schon angekündigt, meine praktische Abschlussprüfung auf dieser Station zu machen. Mein Praxisanleiter freut sich schon. ;-)