Echter Teamgeist für eine demenzfreundliche Gesellschaft

25 Sep
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Wie sollte eine demenzfreundliche Gesellschaft aussehen? Und was müsste sich in Deutschland ändern, um die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen zu verbessern? Diesen Fragen haben sich Experten aus Politik, Gesellschaft und Forschung gestellt und auf Initiative der Bundesregierung eine Nationale Demenzstrategie entwickelt.

Eine demenzfreundliche Gesellschaft sei möglich, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beim offiziellen Live-Auftakt für die Nationale Demenzstrategie am 23. September, und jeder könne zu ihrem Gelingen beitragen. Etwa 1,6 Millionen Deutsche sind dement. Das Risiko an Demenz zu erkranken steigt mit höherem Alter; die Folge unserer alternden Gesellschaft ist eine stetig steigende Zahl an Betroffenen. Nach aktuellen Prognosen könnte sich die Anzahl der Menschen mit Demenz bis zum Jahr 2050 sogar verdoppeln.

1,6 Millionen an Demenz Erkrankte in Deutschland

Unter den Auswirkungen einer Demenz leiden nicht nur die Betroffenen selbst. Sie verändern auch das Leben der Angehörigen: Betreuung und Pflege sind eine körperlich und psychisch anspruchsvolle Aufgabe. Im Laufe einer Demenzerkrankung lassen die Gehirnfunktionen immer weiter nach – Erinnerungslücken, Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen sind die Folge. Ab einem gewissen Stadium können die Betroffenen ihren Alltag nicht mehr eigenständig bewältigen.

„Entscheidend ist, dass unsere Gesellschaft für Menschen mit Demenz zusammenrückt“

Diese Erfahrung hat auch Martina Voss-Tecklenburg, die Trainerin der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft, in der eigenen Familie gemacht: „Demenz verändert die Menschen. Ich kann die familiäre Belastung, die auf den Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen liegt, sehr gut nachvollziehen.“ Für Martina Voss-Tecklenburg ist es daher ein Herzensanliegen, als Demenzbotschafterin die Ziele und Maßnahmen der Nationalen Demenzstrategie zu unterstützen. „Entscheidend ist, dass unsere Gesellschaft für Menschen mit Demenz zusammenrückt. Dafür braucht es echten Teamgeist.“

„An Demenz erkrankte Menschen können noch sehr lange aktiver Teil der Gesellschaft bleiben, wenn die Gesellschaft sich darauf einstellt. Darum starten wir die Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie mit einem breiten gesellschaftlichen Bündnis“, sagte Bundesseniorenministerin Dr. Franziska Giffey zum  Auftakt der Strategie. Das Bündnis soll in der Initiative „Teamgeist für Menschen mit Demenz“ die Umsetzung der 27 Ziele mit insgesamt 160 Maßnahmen begleiten.

Um die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in allen Lebensbereichen zu verbessern, wurden für die Nationale Demenzstrategie vier Handlungsfelder definiert: der Auf- und Ausbau von Strukturen zur gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Demenz an ihrem Lebensort, die Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen, die Weiterentwicklung der medizinischen und pflegerischen Versorgung von Menschen mit Demenz und die Förderung der Demenzforschung.. Die Private Kranken- und Pflegeversicherung etwa erweitert ihre Informations- und Beratungsangebote kontinuierlich um demenzspezifische Elemente. Betroffene und pflegende Angehörige erhalten ein demenzspezifisches Pflegetraining und eine gesundheitsfördernde Beratung, die Empfehlungen gegen Überlastung gibt.Sport und Bewegung steigern das Wohlbefinden und helfen gegen Vereinsamung

Zum Start der Initiative angeschlossen hat sich außerdem der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). „Sport und Bewegung wirken sich grundsätzlich positiv auf Gesundheit und Lebensqualität aus“, erklärt Veronika Rücker, Vorstandsvorsitzende des DOSB: „Das gilt natürlich auch für Menschen mit Demenz.“ . „Die gemeinsame Zeit mit anderen im Sportverein und die Bewegung führen zu mehr Wohlbefinden und helfen häufig gegen Vereinsamung und Isolierung – sowohl am Anfang einer Erkrankung als auch im weiteren Verlauf.“ Zusammen mit seinen 90.000 Sportvereinen will der DOSB sich aktiv dafür einsetzen, die Sport- und Bewegungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen auszubauen. Dafür sollen die Vereine bundesweit mit Informationen und Materialien ausgestattet werden.

Mehr Informationen zur Nationalen Demenzstrategie finden Sie auf www.wegweiser-demenz.de.

Bild: (c) istock: Deagreez