Die beste Auszeichnung, die man für seine Arbeit bekommen kann

14 Aug
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Martin Eicher ist 25 Jahre alt und gelernter Gesundheits- und Krankenpfleger. Den gebürtigen Regensburger zog es 2015 in die Bundeshauptstadt, wo er sich am Tempelhofer St. Joseph Krankenhaus ausbilden ließ. Seit 2018 arbeitet er auf der infektiologischen und pneumologischen Intensivstation 144 der Berliner Charité.

Nebenher absolviert Eicher einen Bachelor of Science im Bereich Pflege an der Fernhochschule Hamburg. Im vergangenen Jahr errang er mit seinem Team den Berliner Landessieg beim PKV-Wettbewerb „Deutschlands beliebteste Pflegeprofis“. Im Frühjahr änderte sich mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland beruflich für ihn eine ganze Menge. Was er seitdem erlebt hat und was er vom Einhalten der Abstandregeln und dem Tragen von Mund- und Nasenschutz hält, hat er uns im Gespräch erzählt.

Wie viele Betten haben Sie auf Station und um wie viele Menschen kümmern Sie sich täglich?

Eicher: Auf der Intensivstation 144 haben wir insgesamt 18 Patientenbetten für die Intensivversorgung. Wir arbeiten mit einem Pflegeschlüssel von eins zu zwei, d. h. ein Pflegender betreut zwei Patienten. In der Nachtschicht variiert es zwischen drei und vier Patienten pro Fachkraft.

Was hat sich seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Ihrem Arbeitsalltag verändert?

Eicher: Einiges. Da wir eine infektiologische und pneumologische Intensivstation sind, wurden wir unmittelbar nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie zur Covid-19-Intensivstation am Campus Mitte umfunktioniert. Das bedeutet, dass wir uns schnell auf die neue Situation einstellen mussten. Zu den wichtigsten Aufgaben gehörte, das Pflegepersonal mit entsprechender Schutzkleidung vor einer Ansteckung zu schützen und ein konsequentes Ein- und Ausschleusen einzuführen.

Mussten Sie dafür geschult werden oder ist das sowieso Teil der Ausbildung?

Eicher: Da wir eine infektiologische Intensivstation sind, gehört die Isolation zum Beispiel von Tuberkulose zum Regelfall in der Versorgung. Allerdings stellte der Umgang mit dem Corona-Virus eine völlig neue Situation dar. Im Vergleich zu anderen Virusinfektionen wissen wir immer noch verhältnismäßig wenig über Verlauf und Behandlung. Ganz besonders trifft das auf Patienten mit einem kritischen Krankheitsverlauf zu.

Wie haben Sie das in der Anfangszeit wahrgenommen?

Eicher: Die Herausforderung in den vergangenen Monaten war schon immens groß. Die Dienste waren viel intensiver als gewöhnlich. Ich musste meine Freizeit sehr zielgerichtet für die Regeneration nutzen. Ohne die Motivation im Team, die Übernahme von zusätzlichen Diensten, ohne die Hilfe von Pflegenden aus anderen Bereichen der Charité und ohne Springerdienste wäre es nicht möglich gewesen, die Patientenversorgung in der Qualität aufrechtzuerhalten.

Das Corona-Virus ist hoch infektiös. Haben Sie Sorge vor einer Ansteckung am Arbeitsplatz?

Eicher: Die Möglichkeit einer Infektion besteht berufsbedingt natürlich immer. Allerdings ist das Coronavirus nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für uns Pflegende eine ganz neue Erfahrung. Ich habe mir zu Beginn der Pandemie schon meine Gedanken gemacht. Aber unter Einhaltung aller Vorgaben ist es möglich, sich gut zu schützen. Wir hatten an der Charité zum Beispiel die Möglichkeit, uns regelmäßig testen zu lassen. Trotzdem möchte man natürlich seine Familie nicht gefährden. Daher habe ich wie die meisten Menschen auch meine persönlichen Kontakte stark eingeschränkt.

Haben Sie persönlich während der ersten Corona-Welle Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf betreut, der sogar bis zum Tod führte?

Eicher: Ja natürlich. Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen versorgen wir diese Patienten bis heute. Es gibt weiterhin kritisch kranke Covid-19-Patienten und nicht bei allen ist eine medizinische Behandlung erfolgreich.

Gab es in den vergangenen Monaten Momente, in denen Sie dachten, dass die Zahl der schwer Erkrankten zu stark steigen und Sie Probleme bekommen könnten, alle Patienten gut zu versorgen?

Eicher: Ich hatte das Gefühl, dass wir stets gut aufgestellt waren. Allerdings haben wir schon gemerkt, dass die Anzahl der Patienten, die in einem kurzen Zeitraum erkranken, höher war als im normalen Alltagsbetrieb zu dieser Jahreszeit. Die Krankenhausleitung hat aber schnell reagiert und die Kapazitäten unmittelbar hochgefahren. In den ersten Wochen nach Ausbruch haben wir am Campus-Mitte neue Intensivstationen für die Versorgung von Covid-19-Patienten eingerichtet. Extra-Teams wurden zusammengestellt und von uns eingearbeitet.

Wie sieht eine solche Schulung aus?

Eicher: Covid-19-Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf entwickeln zum Beispiel häufig ein schweres Lungenversagen. Zur besseren Sauerstoffversorgung der Lunge müssen diese Patienten in die Bauchlage gebracht und so versorgt werden. Das ist nicht risikofrei. Darum braucht es nicht nur viel, sondern auch speziell geschultes Personal. Zudem ist die körperliche Belastung eine ganz andere. Schon allein dadurch, dass man über mehrere Stunden in der Schutzausrüstung am Patienten arbeiten muss.

Was löst es dann in einem aus, wenn ein kritischer Patient nach Tagen wieder gesund das Krankenhaus verlassen kann?

Eicher: Tage sind es nicht. Es sind Wochen oder auch Monate – gerade bei kritischen Covid-19-Erkrankten. Wenn die Person uns dann gesund verlassen kann, ist es ein wahnsinnig schönes Gefühl. Das ist die beste Auszeichnung, die man für seine Arbeit bekommen kann. Wir sprechen immer so viel über Zahlen. Aber letztlich geht es um Menschen, die Angehörige haben. Umso schöner ist es, wenn diese Menschen wieder zurück ins Leben finden können.

Die erste Infektionswelle ist vorbei. Jetzt befinden wir uns am Anfang einer möglichen zweiten. Was würden Sie den Menschen in Deutschland mit auf dem Weg geben?

Eicher: Ganz einfach - Weiterhin die Abstandregeln einhalten, regelmäßig Hände waschen und vor allem konsequent dort eine Maske tragen, wo es vorgeschrieben ist. Vor allem auch wirklich über der Nase (lacht).

Herr Eicher, wir danken Ihnen für das Gespräch. Alles Gute.

 

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