Corona auf der Intensivstation

09 Jun
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Lisa arbeite seit April 2020 als examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Intensivstation im Krankenhaus Bernau im Herzzentrum Brandenburg. Über die Besonderheiten ihrer Ausbildung und ihres Berufes berichtet sie seit einigen Jahren auf unserem Blog geschrieben.

Wie sieht Dein Arbeitsalltag auf der Intensivstation aus?

Lisa: Auf einer Intensivstation gibt es fast keinen Arbeitsalltag. Aufgaben werden je nach Dienst erledigt, aber manchmal müssen sie durch Notfälle oder Operationen ganz neu verteilt werden. Im Frühdienst bin ich z.B. für die Körperpflege des Patienten, Kontrolle und Vergabe der Medikamente, die fachgerechte Beatmung der Patienten und Verbandswechsel sowie für die Dokumentation verantwortlich.

Was hat sich durch Corona verändert?

Lisa: Viele Länder waren unzureichend auf den Ausbruch von COVID-19 vorbereitet. Viele Gesundheitssysteme - zum Beispiel in Italien und Brasilien - sind zusammengebrochen. Wir können uns glücklich schätzen, aus Fehlern anderer gelernt zu haben und pünktlich alle notwendigen Vorkehrungen getroffen zu haben, um trotz der rasanten Ausweitung des Coronavirus gewappnet zu sein und Kapazitäten zu haben.

Besonders wichtig sind aber neben den Beatmungsgeräten das qualifiziertes Pflegepersonal, das die Geräte und Intensivbetten betreut. Unser Krankenhaus hat ein separates Corona-Zentrum vom übrigen Betrieb abgetrennt, in das alle positiv-getesteten Patienten sowie Verdachtsfälle aufgenommen werden. Bisher gibt es bei uns genügend Betten mit Beatmungsgeräten für Corona-Patienten.

Wir stehen ja noch am Anfang – wie wirkt es sich jetzt schon aus?

Lisa: Alle Mitarbeiter müssen sterilisierte Mundschutzmasken tragen. Diese bekommen wir täglich am Eingang unseres Krankenhauses, wo auch unsere Körpertemperatur gemessen wird. Nach der Arbeit geben wir die Masken ab und kontrollieren die Temperatur erneut. Der Mindestabstand von 1,5 m ist in unserem Beruf schwer einzuhalten, vor allem bei invasiven oder intimen Arbeiten am Patienten. Dennoch achten wir untereinander darauf. Viele Kollegen stehen aufgrund von Verdachtsfällen auch unter Quarantäne, oder haben mit positiv-getesteten Patienten gearbeitet und dürfen vorerst nicht zur Arbeit.

Was vermutest Du, wie sich das Coronavirus auf Deine weitere Arbeit auswirken wird?

Lisa: Wenn die Infektionszahlen wieder stärker ansteigen sollten und die Fälle zunehmen, in denen die Corona-Infizierten Komplikationen erleiden, könnten sich unsere Betten- und Beatmungsgerätekapazitäten erschöpfen. Ebenso könnte es in diesem Fall an qualifizierten Pflegekräften mangeln. Alle Mitarbeiter, die im direkten Kontakt zu positiv-getesteten Corona-Patienten stehen, sind sich ihrer Situation bewusst und sind bestmöglich in die Schutz- und Hygienemaßnahmen eingewiesen. Ich glaube nicht, dass unser Gesundheitssystem aufgrund von Corona zusammenbrechen wird. Denn wir hatten genügend Zeit, um uns auf jegliches Szenario vorzubereiten.

Wie reagierst Du auf Covid-19?

Lisa: Ich habe keine Angst von dem Coronavirus, lebe gewissenhaft und arbeite bedächtig. Ich versuche jegliche Keimquelle und Infektionskette zu durchbrechen und diejenigen zu schützen, die es nicht selber können. Ich achte vor allem auf meinen Selbstschutz und versuche, mich trotz des maximalen Risikos nicht verrückt zu machen. Ich weiche aber ältere Personen in meinem Alltag aus, weil ich ja ein potenzieller Überträger des Virus sein könnte.

Wo stößt Du an Deine Grenzen?

Lisa: In meinem Beruf gibt es täglich Herausforderungen, die nicht unbedingt etwas mit der Ausnahmesituation Covid-19 zu tun haben. Meine Berufsausbildung hat mir die Grundlagen mit auf den Weg gegeben, hat mir die Anatomie und Pathologie nähergebracht und nun, im intensiv-medizinischen Bereich, folgt für mich eine ganz neue Ausbildung. Insbesondere so kurz nach der Ausbildung spüre ich die Verantwortung, die ich auf der Intensivstation gegenüber meinen Patienten habe. Ich tausche mich darum viel mit unseren Ärzten aus, um sicher zu stellen, dass ich die Therapieanweisungen richtig verstanden habe.

Letztlich stehe auch ich - wie die Corona-Krise - noch am Anfang, möchte aber auch durch diese besonderen Aufgaben wachsen und natürlich auch nach der überstandenen Krise weiterwachsen.

Kennst auch Du jemanden im Gesundheitswesen, dem Du Danke sagen möchtest? Schreib uns seine bzw. ihre Geschichte an: dankesagen(at)pkv(dot)de.