Beratung von Demenzkranken und ihren Angehörigen

17 Apr
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In Deutschland leben rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Während der Corona-Pandemie stehen ihre pflegenden Angehörigen vor besonders großen Herausforderungen. Bei der Bewältigung des Pflegealltags hilft die private Pflegeberatung compass. Die Pflegeberaterinnen und -berater von compass sind speziell für die Bedürfnisse von Demenzkranken geschult.

Die compass private pflegeberatung wurde 2009 als Tochterunternehmen des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) gegründet. Claudia Calero ist Abteilungsleiterin Wissens- und Qualitätsmanagement und neben 500 weiteren Kolleginnen und Kollegen Ansprechpartnerin für Demenzkranke und ihre Angehörigen. Wir haben sie zur Arbeit mit Demenzkranken befragt und darüber, was in der aktuellen Lage besonders zu beachten ist.

Wie kamen Sie persönlich zum Thema Demenzberatung?

Claudia Calero: Das Thema Demenz ist in unserer Gesellschaft extrem relevant. Die Zahl der Personen mit Demenz steigt stetig auch und vor allem aufgrund der steigenden Lebenserwartungen. Von diesem Thema sind dann nicht nur die direkt betroffenen Personen betroffen, sondern auch die in ihrem Umfeld, also Angehörige, Freunde, Nachbarn etc. Da wir viele hochaltrige Menschen beraten, kommt dieses Thema in den Beratungen auch sehr häufig auf.

Was ist im Vergleich zur allgemeinen Pflegeberatung an der Demenzberatung besonders?

Claudia Calero: Beim Thema Demenz gibt es fast immer eine sehr starke emotionale Komponente und zwar auf der Seite der Personen, die selbst eine Demenz entwickeln, aber auch auf der Seite der Angehörigen. Die Betroffenen merken einerseits, dass sie Fähigkeiten verlieren, andererseits bleiben sie trotzdem in der Rolle, die sie im Familiensystem innehatten, z.B. als Familienoberhaupt. Die Angehörigen nehmen wahr, was die Person nicht mehr kann und wollen dies kompensieren. Sie merken aber, dass die betroffene Person auch das nicht realisiert, und so handelt, als ob sie die Folgen noch abschätzen könnte. Gleichzeitig stimmt auf dieser Seite das Rollenverständnis nicht mehr, da sich die Angehörigen jetzt z.B. als Macher sehen, die alles regeln müssen und sich vielleicht auch persönlich nicht ausreichend wertgeschätzt fühlen.

Könnten Sie uns ein, zwei klassische Fälle oder Situationen benennen?

Claudia Calero: Eine typische Situation wäre die, dass der alte Ehemann, der immer alle finanziellen und behördlichen Fragen geklärt hat, das auf einmal nicht mehr kann. Er kann z.B. nicht mehr die Rechnungen bei seinem Versicherungsunternehmen wie früher einreichen, das muss jetzt die Ehefrau machen oder die Kinder. Es ist dem älteren Herrn aber wichtig, dass er diese Rolle hat, unabhängig davon ob er es noch kann. Daraus entstehen leicht Konflikte.

Als Angehörige muss ich ja auch damit zurechtkommen, dass die Person sich so verändert, dass sie nicht mehr so ist, wie ich sie kenne. Aber sie wird deswegen nicht zum Kind, sie bleibt eine erwachsene Person mit all ihren Facetten. Sie kann eben nicht mehr alles und benötigt deswegen Unterstützung. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, den man den Angehörigen erklären muss, wobei sie auch längere Begleitung und Unterstützung benötigen. Sie müssen das Krankheitsbild Demenz verstehen lernen und das ist natürlich auch bei verschiedenen Personen unterschiedlich. Demenzkranke fühlen sich oft verloren und finden sich in ihrem Alltag nicht mehr zurecht und das kann Ängste auslösen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Gefühl, wenn wir uns verlaufen oder vergessen, wo wir unser Auto geparkt haben.

Beraten Sie Demenzkranke auch direkt oder nur die Angehörigen?

Claudia Calero: Wir beraten die Demenzkranken und die Angehörigen, abhängig vom Stadium ihrer Erkrankung. Angehörige sind sehr häufig bei Beratungen anwesend und dann muss man als Beratender schauen, wie man beiden Personen gerecht werden kann. Man darf aber nie über den Kopf der Person hinweg sprechen, das verunsichert und wir selbst wollen auch nicht, dass so mit uns umgegangen wird. Das hat sehr viel mit Respekt zu tun, den man auch diesen Personen entgegenbringen muss.

Es kann auch sinnvoll sein, den Beratungstermin für Angehörige außerhalb der Häuslichkeit anzubieten, wenn die pflegebedürftige Person dann betreut werden kann, oder zu Zeiten, zu denen die demenzkranke Person ggf. schläft oder selbst außer Haus in der Tagespflege ist. Meistens werden die Angehörigen zu den Anliegen der Demenzkranken, aber auch zu ihren eigenen Fragen beraten. Wo es ein örtliches Angebot für die Beratung von Demenzkranken und ihren Angehörigen gibt, kooperieren wir auch im Rahmen unserer Netzwerkarbeit. Da gibt es z.B. eine sehr gute Zusammenarbeit mit den lokalen Angeboten der Alzheimergesellschaften.

Warum gibt es bei compass eine spezielle Demenzberatung?

Claudia Calero: Die Demenzberatung ist ein besonderer Schwerpunkt, weil es sehr viele Menschen gibt, die davon betroffen sind und weil sie eine sehr hohe gesellschaftliche Relevanz hat. Unsere Mitarbeitenden erhalten zu diesem Thema auch spezifische Fortbildungen, um ihre Kompetenz zu stärken. In diesem Jahr erfolgt z.B. eine Fortbildungsreihe zu der Einbeziehung Demenzerkrankter in die Beratungsgespräche.

Darüber hinaus haben wir auch andere Schwerpunktthemen, das ist z.B. die Beratung von Familien mit chronisch kranken oder behinderten Kindern und Jugendlichen, die zahlenmäßig eher eine kleine, aber trotzdem sehr relevante Gruppe ausmachen oder auch die Beratung zur Versorgung in der letzten Lebensphase. Auch das ist ein wesentliches Thema, auf das die Betroffenen oft erst aufmerksam gemacht werden müssen, wo sie dann aber meistens sehr erleichtert sind, wenn sie sich mit den Fragen der pflegerischen und medizinischen Versorgung zum Lebensende, aber auch mit den Vollmachten abschließend beschäftigt haben.

Die telefonische Pflegeberatung von compass ist wie gewohnt montags bis freitags von 8:00-19:00 Uhr und samstags von 10:00-16:00 Uhr erreichbar. Aufgrund des Coronavirus finden aber keine Beratungsbesuche vor Ort mehr statt (nach § 7a SGB XI). Diese erfolgen bis auf Weiteres ebenfalls telefonisch. Damit möchte compass einen Beitrag dazu leisten, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen vor einer Corona-Infektion zu schützen.

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dankesagen(at)pkv(dot)de.