Aus dem Bauch heraus

01 Nov
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Wie denken eigentlich Magen und Darm? Wir wollten mehr über dieses Thema erfahren und haben Herrn Prof. Dr. Frieling dazu befragt. Er ist Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Helios Klinikum Krefeld sowie Gründer der Stiftung für Neurogastroenterologie und hat sich auf die Rolle der Nerven im und um den Magen-Darm-Trakt spezialisiert.

11 Millionen Deutsche sind betroffen

Der Magen-Darm-Tag am 7.11.2019 rückt das Thema Reizdarm-Syndrom in den Fokus. Der Reizdarm ist eine Verdauungsstörung. 2017 erhielten eine Millionen Deutsche die Diagnose „Reizdarm”. Die tatsächliche Zahl der Betroffenen ist schwer zu überblicken. Da nicht jeder die Symptome erkennt und zum Arzt geht, gehen Experten davon aus, dass bis zu 11 Millionen Deutsche betroffen sind (Quelle).

Was sind die Symptome des Reizdarm-Syndroms?

Heftige Bauchschmerzen über Tage, Krämpfe, dazu Durchfall oder Verstopfung. Manche Reizdarm-Patienten leiden Wochen lang unter mehreren Durchfällen am Tag, begleitet von Übelkeit und Schmerzen. Der Alltag mit einem Reizdarm ist beschwerlich. Er kann bis hin zur sozialen Isolation oder gar Arbeitsunfähigkeit führen. „Vor nicht allzu langer Zeit wurden Personen mit Reizdarm-Syndrom entweder von Arzt zu Arzt geschickt oder gar nicht weiter behandelt. Man stempelte sie als eingebildete Kranke ab. Hierzulande hat sich diese Situation glücklicherweise längst geändert”, erzählt Prof. Dr. Frieling.  Mittlerweile ist er Chefarzt der Medizinischen Klinik in Krefeld. Dort leitet er unter anderem die Gastroenterologie. Ursprünglich wollte er Neurologe werden, auf dem Weg dorthin hat ihn die Faszination für Verdauungsvorgänge und -organe gepackt.

Wie kann Betroffenen geholfen werden?

„Der Magen-Darm-Trakt ist einerseits der Empfänger von Signalen aus dem Gehirn und lässt uns daher Emotionen und Gefühle wie Angst, Unbehagen, Exaltiertheit oder Verliebtheit in der Magengegend spüren, andererseits denkt der Magen-Darm-Trakt aber auch selbst und sendet von sich aus Signale.”, erklärt Prof. Dr. Frieling. Nicht zuletzt befindet sich im Darm unser „Bauchhirn”. Es besteht aus mehr als 100 Millionen Nervenzellen, welche die Muskulatur des Darms steuern – und das überwiegend unabhängig von unserem Gehirn.

Welche Therapien helfen?

Die Suche nach den Ursachen ist für Betroffene wie für den behandelnden Arzt alles andere als einfach. Dr. Frieling erklärt, dass sich die Kommunikation zwischen Darm und Hirn gut messen ließe. Dabei würde deutlich, dass der Darm eher mit dem Gehirn kommuniziert”, als andersherum. Aufbauend auf diese Erkenntnisse entstehen zunehmend neue Therapieverfahren, um Betroffenen mit krankem und entzündetem Verdauungssystem zu helfen. Autogenes Training, also spezielle ganzheitliche Entspannungstrainings sowie Bauchhypnosen sollen den Magen-Darm-Trakt von innen heraus heilen. Besonders bekannt für diese Methode ist Prof. Dr. Jost Langhorst. Er leitet die Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde am Klinikum Bamberg und ist Leitlinienbeauftragter der Gesellschaft für Phytotherapie.

Dankbarkeit unter Forschern

Herr Prof. Dr. Frieling ist seinen Branchenkollegen sehr dankbar für ihre langjährige Arbeit. Jost Langhorst ist zum Beispiel geförderter Preisträger der Stiftung für Neurogastroenterologie, welche im Jahr 2004 von Prof. Dr. med. Thomas Frieling gegründet worden ist.