Ani: Such und hilf!

21 Feb
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In Deutschland werden pro Jahr bis zu 100.000 Menschen als vermisst gemeldet. Viele davon, so stellt sich dann heraus, hatten sich verirrt. Am häufigsten verlaufen sich alte, demenzkranke Menschen und Kinder (etwa 40.000) aber zum Beispiel auch Pilzsammler. Der „Bundesverband Rettungshunde“ führt darüber Statistik – und er schickt im Notfall Helfer. Ani zum Beispiel.

Ani ist ein Rettungshund und seit fünf Jahren an der Seite von Herrchen Michael Galle beim gemeinnützigen Verein Rettungshundestaffel Berlin im Bundesverband Rettungshunde (BRH) im Einsatz. Ehrenamtlich suchen die beiden vermisste Personen, zum Beispiel in Wäldern oder Trümmerlandschaften. Sobald eine Vermisstenmeldung bei Polizei, Feuerwehr oder dem Katastrophenschutz eingeht, können diese Unterstützung z. B. von Ani und Michael anfordern.

BRH Rettungshundestaffel Berlin

Die BRH Rettungshundestaffel Berlin wurde 1987 gegründet, Michael ist seit über 20 Jahren dabei. Damals suchte er für seine Hündin Kira, Anis "Vorgängerin", eine sinnvolle Beschäftigung. Kira war ein Labrador, Ani ist Rotweiler. Grundsätzlich eignet sich aber jeder Hund, solange er motiviert und verträglich gegenüber seinen Artgenossen und Menschen ist.

Eine ganz besondere Beziehung

Nachdem (damals noch) Kira und Michael dem Verein beitraten, begannen sie eine Ausbildung zum Rettungshundeteam, das zwei bis drei Jahre dauert. Am Anfang mussten beide viel lernen: einsatzspezifisches Funken, Orientierung, Suchtaktik und erste Hilfe. Nach bestandener Prüfung in Flächen-, Trümmer- und Man-Training (spezifische Personensuche), waren sie aber nicht nur bereit für ihren ersten Rettungseinsatz, sondern auch ein unzertrennliches Team. "Besonders faszinierend für mich war, wie ich mit meinem Hund zusammenwachse und eine ganz besondere Bindung entsteht.", erinnert sich Michael Galle.

31 Rettungseinsätze allein im letzten Jahr

31 Einsätze wurden 2019 von der BRH Rettungshundestaffel Berlin realisiert. Für Ani und Michael blieb ein Einsatz im Spandauer Forst in besonderer Erinnerung. "Die vermisste Person hatte einen Notruf mit seinem Handy abgesetzt. Aufgrund eines Sturmes konnte er sich nicht mehr allein aus dem Wald befreien. Noch während der Suche fanden wir eine weitere (noch nicht vermisste) Person, die sich ebenfalls verlaufen hatte.", berichtet Michael Galle. "Aber ein Erfolg ist es auch schon, wenn wir sagen können, dass sich eine vermisste Person nicht in einem uns zugeordneten Sektor befindet."

Mittlerweile ist es für Michael und Ani ganz normal, dass das Telefon auch mal um Mitternacht klingelt. Bei Nachteinsätzen bekommt Ani ein Glöckchen und eine reflektierende Kenndecke umgehängt, denn mitunter entfernen sich die Rettungshunde auf der Suche nach vermissten Personen bis zu 100 Meter von ihren Hundeführern. Sobald sie die vermisste Person gefunden hat, muss Ani bellen bis ihr Rettungshundeführer dazu stößt. Es gibt aber auch andere Anzeigeformen, die man seinem Hund beibringen kann: Beim Freiverweiser würde Rettungshund Ani zum Hundeführer zurücklaufen und ggf. bellen, vorsitzen oder ihn anspringen. Erst danach würde sie Michael an die Leine nehmen und sich zur vermissten Person hinführen lassen.

Such und hilf

 

Wer eine sinnvolle Beschäftigung für sich und seinen Hund sucht, kann der DH Rettungshundestaffel Berlin eine Email an ausbildung(at)rettungshunde-berlin(dot)de schreiben und an einem Probe-Training teilnehmen. Geübt wird an verschiedene Orten z. B. auf dem Polizeigelände in Berlin, auf Bundeswehrgelände und Forstgebieten in Brandenburg oder im ehemaligen Betonwerk des Trainingscenters Retten und Helfen in Malchin. Durch das Training auf wechselndem Gelände wird sichergestellt, dass Ani und die anderen Rettungshunde nicht jeden Baum persönlich kennen. "Das absolute Minimum ist ein wöchentliches Training am Samstag sowie individuelle Zusatztrainings beim Spazierengehen, um Sitz-Platz-Bleib, ‚Such und hilf‘ oder das Schicken zu üben", sagt Michael. Ein bisschen Zeit müssen Hund und Herrchen oder Frauchen also mitbringen – aber das dient dann auch einer wirklich guten Sache.

Kennst auch Du jemanden im Gesundheitswesen, dem Du Danke sagen möchtest? Schreib uns seine Geschichte an: dankesagen(at)pkv(dot)de.