Altenpflege: "Mich motiviert jeden Tag im Dienst gebraucht zu werden"

04 Sep
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Carolin Boran ist im zweiten Lehrjahr zur Altenpflegerin in Dresden. Zurzeit arbeitet sie auf einer Station mit Demenzpatienten und versucht das Leben der Bewohner trotz Demenz so normal wie möglich zu gestalten. Wie sie die Verantwortung und den Arbeitsalltag als Pflegeazubi meistert, kannst Du in unserem Interview nachlesen.

„Besonders wichtig ist für mich die Kommunikation in der Altenpflege, insbesondere bei Bewohnern, die kognitive Schwierigkeiten haben,“ beschreibt Carolin ihre Arbeit. „Als Altenpflegefachkraft solltest Du keine Berührungsängste haben, weil gerade dieser menschliche Kontakt den Bewohnern gut tut. Darum ist die Corona-Krise für unsere Demenzpatienten besonders schwer.“

Wie bist Du zu Deinem Beruf gekommen?

Carolin: „Ich bin durch meine Mutter zu diesem Beruf gekommen. Auch sie arbeitet in der Pflege. Besonders motiviert mich aber, jeden Tag im Dienst gebraucht zu werden und die Möglichkeit zu haben, ich selbst zu sein. Viele finden selbst meine Tattoos und Piercings interessant und fragen danach. Besonders schön finde ich aber die Vielseitigkeit und die Herzlichkeit in meinem Beruf.“

Aber auch sie kam aufgrund der Corona-Krise an ihre Grenzen. Darum fragten wir sie, was sich seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in ihrem Arbeitsalltag verändert hat?

Carolin: „Bevor Corona konnten Angehörige uns einen Teil der Arbeit abnehmen, indem sie mit den Bewohnern beispielsweise Spaziergänge unternahmen oder gemeinsam mit ihnen aßen bzw. ihnen beim Essen halfen. Dies ist natürlich aufgrund von Corona nicht mehr möglich. Die Krise beeinflusst insbesondere unsere Bewohner. Leider sind die Bewohner seit der Krise verwirrter und fühlen sich einsam.“

Was musstest Du genau in Ihrem Arbeitsalltag verändern?

Carolin: „Seit Beginn der Corona-Krise achten wir in der Pflege besonders streng auf die Besucherzeiten und die Einhaltung der Hygienemaßnahmen. Dass sich einige Angehörige nicht daran halten, macht es für uns natürlich manchmal besonders schwer: Zum Beispiel, wenn Angehörige ohne Mundschutz mit einem Bewohner spazieren gehen.“

Gab es während der ersten "Welle" einen Moment indem Du dachtest, dass die Zahl der schwer Erkrankten zu stark steigen und Du Probleme bekommen könntest, alle Bewohner gut versorgen zu können?

Carolin: „Am Anfang wurden wir von dieser Welle tatsächlich überrascht. Mittlerweile gibt es aber auch bei uns einen Notfalldienstplan für den Fall, dass sich jemand mit COVID-19 infiziert. Dadurch fühle ich mich auch etwas sicherer. Jedoch ist dieser Notfallplan nicht auch auf Familienmitglieder anwendbar, sondern nur für unsere Bewohner angedacht.“

Was würdest Du den Menschen in Deutschland mit auf dem Weg geben?

Carolin: „Insbesondere um einen weiteren Lockdown zu verhindern, möchte ich den Menschen ans Herz legen, sich bitte an die Regelungen in der jeweiligen Einrichtung zu halten! Nicht nur uns zur Liebe, sondern auch um unsere Bewohnerinnen und Bewohner vor dem Coronavirus zu schützen.“

Kennst auch Du jemanden im Gesundheitswesen, dem Du Danke sagen möchtest? Schreib uns seine bzw. ihre Geschichte an: dankesagen(at)pkv(dot)de.

 

Bildnachweis: compass private pflegeberatung