"Alle helfen, wo sie können!" – Nicht nur auf der Covid-19-Station

27 Mar
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Noch vor zwei Wochen fuhr Anna mit der S-Bahn zur Uniklinik. Heute fährt sie mit dem Auto zur Arbeit und übt sich in "Social Distancing", um andere zu schützen. Als Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege unterstützt sie - seit zwei Wochen in Vollzeit - ihre Kollegen auf der Intensivstation für Covid-19-Patienten. "Weil ich weiß, dass Hilfe gebraucht wird und ich meine Kollegen unterstützen möchte.", begründet Anna ihre Entscheidung.

Noch vor zwei Wochen begann Annas Arbeitstag um 7:00 Uhr mit einer Morgenbesprechung im Münchener Uniklinikum. Sie arbeitete in der Anästhesie und freute sich besonders, wenn sie für Gynäkologie-Operationen eingeteilt wurde. Sie bereitete Narkosen vor und half Patienten, sich auf bevorstehende Operationen einzustellen. Um kurz nach 15:00 Uhr war meistens Feierabend.

Als sie gefragt wurde, ob sie auf der Intensivstation für Covid-19-Patienten helfen könnte, sagte sie sofort zu. Da die Uniklinik planbare Operationen verschiebt, arbeiten sie und ihre Kollegen nun dort, wo sie dringender gebraucht werden. Ihr Frühdienst beginnt nun um kurz nach 6:00 Uhr.

Aber nicht nur Kollegen helfen sich untereinander, auch Annas Freunde unterstützen sie. Weil sie ihre Mitmenschen und sich nicht in Gefahr bringen will, hat Anna ihre Sozialkontakte auf ein Minimum reduziert. Darum gehen Freunde für sie einkaufen und bringen ihr die Lebensmittel nach Hause. Eine Freundin kocht für sie Abendessen, das sie sich nach der Arbeit abholt. An so manchem Nachmittag haben ihr Freunde auch schon mal einen Kuchen vor die Wohnungstür gestellt. "Ich bin überwältigt, wie sich meine Nachbarn und Freunde um mich kümmern. Zu wissen, dass man sich auf andere verlassen kann, entlastet mich wahnsinnig.", bedankt sich Anna.

"Man fiebert regelrecht mit!"

Auf die Covid-19-Station der Uniklinik kommen Patienten, denen in kleineren Krankenhäusern nicht mehr geholfen werden kann. Waren es anfänglich zwei Patienten, sind es nach einer Woche schon acht Schwerstfälle, die hier betreut werden. Die Uniklinik bereitet schon eine zweite solche Station vor.

Am Freitag betreute Anna einen Patienten, der noch ansprechbar war und nicht künstlich beatmet wurde. Er kam auf ihre Station, da sich seine Atemsituation verschlechterte. "Durch eine erhöhte Atemfrequenz erschöpfen Corona-Patienten schnell und müssen an Beatmungsgeräte angeschlossen werden. Man fiebert regelrecht mit und möchte sie unbedingt ohne Gerät stabilisieren.", berichtet Anna. Darum hat sie ihren Patienten in Herzbettlage gebracht und mit ihm seine Atmung trainiert. Dabei zeichnet Anna ihrem Patienten am Brustkorb die Lunge vor, um zu verdeutlichen, wie tief er einatmen muss. "Bei der Übung atme ich mit, damit er sieht, wie es funktioniert. Bis Dienstende hatte er sich stabilisiert und konnte weiter selbstständig atmen," freut sich die Intensivschwester.

Die Auswirkungen des Coronavirus

Eine besondere Herausforderung auf der Covid-19-Station sind die Schutzmaßnahmen. Jeder Patient ist nur durch eine Schleuse zu erreichen. Im "Vorzimmer" muss sich Anna vor jeder Behandlung ihre Schutzkleidung anziehen:

  1. Handschuhe unter dem Kittel
  2. wasserdichter Schutzkittel
  3. Handschuhe über dem Kittel
  4. Kopfbedeckung
  5. FFP2 Masken (ggf. auch FFP3)
  6. Schutzbrille

"Die Schutzkleidung ist natürlich absolut notwendig, erschwert allerdings meinen Arbeitsalltag, da es in der Kleidung sehr warm wird. Mittlerweile überlegt die Uniklinik, die Temperaturen zu senken, um den Mitarbeiter die Arbeit zu erleichtern", erzählt Anna. "Auch versorgt sie uns mit kostenlosem Essen, damit wir die Station nicht verlassen müssen und die Ansteckungsgefahr minimiert wird."

Jeden Tag führt Anna ein Tagebuch vom Robert-Koch-Institut. In diesem dokumentiert sie, welche Schutzkleidung sie trug, mit welchem Patienten sie wie Kontakt hatte und sie hält darin ihre Temperatur fest.

"Außerdem hat die Uniklinik Mundschutzpflicht für alle von der Reinigungskraft über die Krankenschwester bis zum Chef angeordnet. Denn der Mundschutz schützt andere vor Dir, sodass sich alle gegenseitig schützen", lobt Anna. Auch das eingeführte Besucherverbot für die gesamte Klinik begrüßt sie sehr und betont: "Wir wollen möglichst jedes Risiko vermeiden, um unsere Patienten wie auch das Personal zu schützen und somit die ärztliche Versorgung aufrechtzuerhalten."

Im Kampf gegen das Coronavirus hofft Anna, dass sich die Ausgangseinschränkungen positiv auswirken werden und dass bald ein Medikament gegen das Covid-19 gefunden wird. Bis dahin will sie ihren Teil dafür leisten, Erkrankte zu versorgen und die weitere Ausbreitung von Corona zu verhindern.

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