3 Jahre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin gehen schnell vorbei

15 Nov
Intro image

Vor fast drei Jahren begann ich meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Nun sind in zwei Monaten schon meine Prüfungen und in der Zeit dazwischen ist sehr viel passiert.

Kaum denkbar für mich, da sich diese Zeitspanne wie ein Fingerschnips anfühlt. Manchmal denke ich heute noch, wenn ich eine neue Station betrete, dass es mein erster Tag im ersten Lehrjahr ist. Überall neue Eindrücke, ständig neue Kollegen, wechselnde Krankheitsbilder, immer einen neuen Überblick verschaffen, Orientierung finden. Das ist nicht so einfach. Dennoch kann ich schon behaupten, dass sich viel geändert hat, dass mein Wissen gewachsen ist, theoretisch sowie praktisch, und ich verantwortlich und selbstbewusst handeln kann.

Die Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren meiner Ausbildung gesammelt habe, konnte ich auf meiner letzten Station, innere Medizin, prima anwenden. Dort, wo ich meinen allerersten Praxiseinsatz hatte. Damals bin ich fast daran verzweifelt, jemals zu begreifen, wie ich in drei Jahren diesen Beruf ausüben solle. Ich war mehr als überfordert, jede fachliche Kleinigkeit, mit der ich mich auseinandersetzen musste, schien mich zu überwältigen. Ich weiß noch, als mich das erste Mal ein Patient fragte, ob ich ihn zur Toilette begleite. Natürlich, sagte ich und half ihm hoch, ging ein zwei Schritte mit ihm und just in dem Moment als ich merkte, wie sehr er auf dem rechten Bein humpelte, platzte die verantwortliche Schwester rein und legte den Patienten umgehend wieder in sein Bett.

Aus Fehlern lernen

Heute weiß ich, dass ich mich, egal wie nichtig eine Bitte scheint und wie leicht sie doch ausführbar wäre, vorher über den besagten Patienten informiere, um zu verstehen, weshalb er in seinem Krankenbett liegt und was seine Möglichkeiten sind. Der Patient dem ich hoch half, war ein dementer Mann mit einer Schenkelhalsfraktur und hatte daher strenge Bettruhe einzuhalten. Seine aushaltbaren Schmerzen und der Drang aufzustehen und sich trotz gebrochenem Oberschenkel auf jenen zu stützen und zur Toilette zu gehen, waren also nur auf seine eingeschränkte kognitive Wahrnehmung und auf die hochdosierten Schmerzmittel zurückzuführen.

Der erste Tag bleibt in Erinnerung

Diese Situation, gleich am ersten Tag meines Einsatzes, wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Schön ist es ja, dass man durch solche Situationen am besten lernt. Damals habe ich meine erste Lektion gelernt und diese ist, so wie ich finde, eine der wichtigsten im Umgang mit Menschen in einem Krankenhaus. Mein Glück war es, das bei meinem Fehler nichts Schlimmeres passierte.

Im Rückblick meiner Ausbildung könnte ich von vielen Geschichten erzählen, die für mich prägend waren. Ich weiß jetzt, dass es nicht schlimm ist, auch am bevorstehenden Ende der Ausbildung noch kein Genie zu sein, das ich auch nach diesen drei langen (oder kurzen – je nachdem wie man es nimmt) Jahren nicht alles wissen kann, was man in diesem so unglaublich komplexen Berufsfeld, rund um die Gesundheit und Krankheit eines Menschen wissen muss. Ich weiß, dass mich viele Gespräche mit Patienten kompetenter machten, als so manche Unterrichtsstunde in der Schule. Ich habe fesselnde Schicksale begleitet, habe viele spannende Dinge gesehen und war inmitten von höchster Glückseligkeit und tiefer Trauer fest eingespannt.

Nicht alles mit nachhause nehmen

Nicht mit jeder Situation konnte ich hervorragend umgehen, viele dieser Geschichten habe ich mit nachhause genommen. Das ist einer der wichtigsten Punkte, zu denen ich raten würde: Bewältigungsstrategien entwickeln. Gerade am Anfang der Ausbildung war es schwer für mich, mit dem einen oder anderen Schicksal eines Patienten umzugehen und es nach Feierabend dort zu lassen. Ich sage auch keinesfalls, dass das so sein müsse. Wenn ich eine Erkenntnis gewonnen habe, dann die, dass es nicht schlimm ist, wenn man sich mit den Menschen beschäftigt, mit denen man eine professionelle und berufliche Beziehung führte. Die man eventuell verloren hat. Dessen Geschichte einem einfach nicht aus dem Kopf gehen will. Ich habe mit meiner Familie geteilt, was ich erlebte, was mich beschäftigte. Natürlich ausnahmslos ohne den Datenschutz des Menschen und seiner Umgebung zu verletzen. Das half mir, die Dinge zu verarbeiten und auf manche Sichtweisen neue Perspektiven zu bekommen.

Alles in einem bin ich sehr zufrieden, wie es gelaufen ist in dieser Zeit. Es gibt wohl kaum einen Beruf, in dem man so viele Geschichten sammeln kann (von einem selbst oder auch von Anderen), wie in diesem.

Was ich alles gelernt habe

Mein Handlungsfeld hat sich natürlich im Laufe der Zeit auch rasant geändert. Ich darf dort Verantwortung übernehmen, wo ich damals noch liebend gern die Finger von gelassen habe. Wissen ist Macht, vor allem in der Ausbildung. Wenn die Pflegeperson an deiner Seite sieht, was du kannst und das du theoretische Kenntnisse über eine Handlung hast, dann lässt sie dich viel Verantwortung über diese tragen. Ich durfte in der ersten Zeit nicht sehr viel alleine machen, nicht mal die Körperpflege eines Patienten wurde mir anvertraut. Sobald ich gezeigt habe, wie ich es machen würde und gesehen wurde, dass ich es beherrsche, durfte ich allein meine Patienten versorgen. Natürlich nur rund um die Körperpflege.

Zu Beginn des 2. Lehrjahres durfte ich unter Anleitung einen Blasenkatheter legen. Ich hatte Angst, etwas falsch zu machen und es lief auch ziemlich holprig. Wenn ich heute neu auf einer Station bin und ich theoretisch die Durchführung meiner pflegerischen Tätigkeit erkläre, werde ich mit dieser Aufgabe schon allein gelassen. Mein erstes Mal Blut abnehmen lief außerordentlich gut, wodurch ich auch diese Handlung selbstständig durchführen durfte. So lief es mit vielen anderen, sehr unterschiedlichen Handlungen auch. Der Umgang mit Medikamenten gehört auf Station zur alltäglichen Routine, ist aber mit sehr großer Vorsicht zu genießen. Auch nur nach fachgerechter Überprüfung meiner Kenntnisse über ein Medikament, durfte ich mit diesem umgehen. Eine intravenöse (in die Vene) Antibiose vorbereiten oder eine Infusion mit Zusatz, zum Beispiel mit Schmerzmittel oder Mittel gegen Übelkeit, konnte ich dann schon selbstständig. Das Injizieren eines Medikaments oder das Einlaufen in die Vene, bleibt bis zum Erlangen des Examens rechtlich gesehen die Aufgabe der Pflegekraft.

Dennoch merkte ich die Sprünge, die ich von Monat zu Monat machte erst dann, wenn ich sie ganz bewusst Revue passieren ließ. Zum Schluss kann ich sagen, dass ich in jeder Situation die sich mir bot, etwas mitgenommen habe. Wenn auch nicht immer nur positives, aber dafür lehrreiches.

Ich bin gespannt auf meinen letzten Praxiseinsatz und widme mich der Lernerei, für die nächsten zwei Monate. Das Examen kann kommen! 