21 Jahre Pflege: Pflegeprofi Manuel Strohdeicher im Interview

23 Oct
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Seit 21 Jahren arbeitet Manuel Strohdeicher in der Pflege. 2019 gewann er die zweite Auflage des Wettbewerbs „Deutschlands beliebteste Pflegeprofis“. Nach einem Schulpraktikum im Bereich Pflege war für ihn schon mit 15 Jahren klar, dass er Krankenpfleger werden wollte. Nach seinem Schulabschluss begann er die Ausbildung zum Krankenpfleger im Sana Klinikum Hameln-Pyrmont, wo er bis heute arbeitet.

Nicht jede Wunde heilt

Seit zwei Jahren arbeitet Manuel Strohdeicher als Wundmanager und versorgt u.a. Menschen mit chronischen Wunden. Neben der reinen Wundversorgung ist es ihm auch wichtig, sich auf den Patienten einzustellen und auch deren Angehörige einzubeziehen. Denn „nicht jede Wunde wird heilen, wenn Menschen es nicht zulassen oder wenn eine nötige Operation, aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes, nicht möglich ist", so Strohdeicher. "Rauchern kann man beispielsweise nur schwer sagen, dass sie damit aufhören sollen – auch wenn das für die Wundheilung, und überhaupt für ihre ganze Gesundheit, das Beste wäre. Aber ich kann ihnen helfen, ein Gefühl für ihre Wunde zu bekommen, ihnen raten, weniger zu rauchen und Tipps geben“, erklärt Deutschlands beliebtester Pflegeprofi weiter. „Wenn ich Diabetiker mit Wunden am Fuß behandele, rate ich ihnen zum Beispiel zu überprüfen, ob ihre Schuhe vielleicht drücken. Meist haben Diabetiker Gefühlsstörungen in den Füßen und merken gar nicht, wenn der Schuh drückt. Ich rate den Patienten dann, ihre Füße jeden Abend zu kontrollieren, ob eventuell eine Wunde entstanden ist. Auch der regelmäßige Besuch beim medizinischen Podologen und dem Diabetologen ist sehr wichtig.“

Was sich seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie verändert hat

„Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben wir begonnen, ein Netzwerk aufzubauen, um auch interdisziplinär noch besser arbeiten zu können. Darum habe ich, insbesondere bei komplexen Verbänden, auch Kollegen aus dem ambulanten Bereich zum letzten Verbandswechsel auf Station eingeladen“, erläutert Strohdeicher. "In einem Arztbrief wird das Verbandwechseln natürlich auch erklärt, aber dennoch kam es vor, dass Verbände zu Hause falsch gewickelt wurden und der Patient wieder ins Krankenhaus musste. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist es natürlich schwieriger geworden, den ambulanten und stationären Bereich zusammen zu bringen. Mittlerweile organisiere ich die Übergaben telefonisch“, berichtet der Wund-Spezialist. „In den Telefonaten tauschen wir Tipps und Tricks aus, aber auch, ob Patienten eine bestimmte Uhrzeit für den Verbandswechsel bevorzugen oder ob gegebenenfalls 30 Minuten vor Verbandswechsel eine Schmerzmedikation verabreicht werden sollte.“

„Wir konnten schnell und flexibel auf die Coronakrise reagieren“

„Anfangs habe ich mich, wie alle anderen auch, gefragt, was auf uns zukommt und ob wir darauf vorbereitet sind. Aber mir war schnell klar: Wir sind super aufgestellt. Durch das Stoppen der geplanten Operationen ist auch Personal frei geworden, das zum Beispiel in der Notaufnahme helfen konnte. Schnell wurde eine Corona-Station ins Leben gerufen, um im Landkreis die Patienten versorgen zu können,“ berichtet Manuel Strohdeicher. „Es wurde eine Pandemie-Arbeitsgruppe gegründet, die ständig im Austausch war und Endscheidungen getroffen hat. Dadurch konnten wir sehr flexibel auf das aktuelle Geschehen reagieren.“

„Wir nehmen uns mehr Zeit für die Patienten“

„Leider ist die Coronakrise keine Ausnahmesituation mehr, sondern Alltag. Wie in anderen Krankenhäusern, können Angehörige im Sana Klinikum Hameln-Pyrmont nur unter strengeren Auflagen Patienten besuchen, wobei die Besuchszeiten auch noch deutlich gekürzt wurden. Wir telefonieren nun vermehrt mit den Angehörigen, wenn Patienten sich nicht äußern können oder dement sind, um zum Beispiel ihren Schlafrhythmus, Essgewohnheiten oder Allergien zu erfragen. Ausnahmeregelungen bei den Besuchszeiten gibt es aber natürlich auch. Gerade wenn Patienten im Sterben liegen, ist es ganz wichtig, dass die Angehörigen dabei sein können und ihren Angehörigen in den schweren Stunden zu begleiten. Bei Geburten ist ebenfalls eine Begleitperson zuglassen, in der Regel ist das der werdende Vater, um seine Partnerin zu unterstützen. Außerdem nehme ich mir mehr Zeit für meine Patienten, um den fehlenden Kontakt zu den Angehörigen auszugleichen.“